Turandot (neugierig).
Du weißt ihn also, Greis?
Timur. Ob ich ihn weiß?
Unmenschliche!—Freund, sag' mir das Geheimniß,
Warum darf ich die Namen nicht entdecken?
Barak. Ihr tödtet ihn und uns, wenn Ihr sie nennt.
Turandot. Er will dich schrecken, Alter, fürchte nichts!
Herbei, ihr Sklaven, züchtigt den Verwegnen!
(Die Verschnittenen umgeben den Barak.)
Skirina. Ihr Götter, helft! Mein Mann! Mein Mann!
Timur (tritt dazwischen). Halt! Haltet!
Was soll ich thun! Ihr Götter, welche Marter!
—Prinzessin, schwört mir's zu bei Eurem Haupt,
Bei Euren Göttern schwört mir, daß sein Leben
Und dieses Fremdlings Leben ungefährdet
Sein soll—Mein eignes acht' ich nichts und will
Es freudig Eurer Wuth zum Opfer geben—
Schwört mir das zu, und Ihr sollt Alles wissen.
Turandot. Bei meinem Haupt, zum furchtbarn Fohi schwör' ich,
Daß weder seinem Leben, noch des Prinzen,
Noch irgend eines hier Gefährde droht—
Barak (unterbricht sie).
Halt, Lügnerin—Nicht weiter—Glaubt ihr nicht!
Verrätherei lauscht hinter diesem Schwur.
—Schwört, Turandot, schwört, daß der Unbekannte
Euer Gatte werden soll, im Augenblick,
Da wir die Namen Euch entdeckt, wie recht
Und billig ist; Ihr wißt es, Undankbare!
Schwört, wenn Ihr könnt und dürft, daß er, verschmäht
Von Euch, nicht in Verzweiflung sterben wird
Durch seine eigne Hand—Und schwört uns zu,
Daß, wenn wir Euch die Namen nun entdeckt,
Für unser Leben nichts zu fürchten sei,
Noch, daß ein ew'ger Kerker uns lebendig
Begraben und der Welt verbergen soll—
Dies schwört uns, und der Erste bin ich selbst,
Der Euch die beiden Namen nennt!
Timur. Was für Geheimnisse sind dies! Ihr Götter,
Nehmt diese Qual und Herzensangst von mir!