(Da Kalaf den Kopf schüttelt.)
—Ich wünschte, daß ich Märchen nur erzählte
Und sagen dürfte. Alles war ein Traum!
Kalaf. Weil du's erzählst, so glaub' ich das Gesetz.
Doch sicher war kein Prinz wahnsinnig gnug,
Sein Haupt daran zu setzen.
Barak (zeigt nach dem Stadtthor). Sehet, Prinz!
Die Köpfe alle, die dort auf den Thoren
Zu sehen sind, gehörten Prinzen an,
Die toll genug das Abenteuer wagten
Und kläglich ihren Untergang drin fanden,
Weil sie die Räthsel dieser Sphinx zu lösen
Nicht fähig waren.
Kalaf. Grausenvoller Anblick!
Und lebt ein solcher Thor, der seinen Kopf
Wagt, um ein Ungeheuer zu besitzen!
Barak. Nein! Sagt das nicht. Wer nur ihr Konterfei
Erblickt, das man sich zeigt in allen Ländern,
Fühlt sich bewegt von solcher Zaubermacht,
Daß er sich blind dem Tod entgegen stürzt,
Das göttergleiche Urbild zu besitzen.
Kalaf. Irgend ein Geck.
Barak. Nein, wahrlich! Auch der Klügste.
Heut ist der Zulauf hier, weil man den Prinzen
Von Samarcanda, den verständigsten,
Den je die Welt gesehn, enthaupten wird.
Der Khan beseufzt die fürchterliche Pflicht;
Doch ungerührt frohlockt die stolze Schöne.
(Man hört in der Ferne den Schall von gedämpften Trommeln.)
Hört! Hört Ihr! Dieser dumpfe Trommelklang
Verkündet, daß der Todesstreich geschieht;
Ihn nicht zu sehen, wich ich aus der Stadt.