Kalaf. Barak, du sagst mir unerhörte Dinge.
Was? Konnte die Natur ein weibliches
Geschöpf wie diese Turandot erzeugen,
So ganz an Liebe leer und Menschlichkeit?

Barak. Mein Weib hat eine Tochter, die im Harem
Als Sklavin dient und uns Unglaubliches
Von ihrer schönen Königin berichtet.
Ein Tiger ist sie, diese Turandot,
Doch gegen Männer nur, die um sie werben.
Sonst ist sie gütig gegen alle Welt;
Stolz ist das einz'ge Laster, das sie schändet.

Kalaf. Zur Hölle, in den tiefsten Schlund hinab
Mit diesen Ungeheuern der Natur,
Die kalt und herzlos nur sich selber lieben!
Wär' ich ihr Vater, Flammen sollten sie
Verzehren.

Barak. Hier kommt Ismael, der Freund
Des Prinzen, der sein Leben jetzt verloren.
Er kommt voll Thränen—Ismael!

Zweiter Auftritt.

Ismael zu den Vorigen.

Ismael (reicht dem Barak die Hand, heftig weinend). Er hat
Gelebt—Der Streich des Todes ist gefallen.
Ach! Warum fiel er nicht auf dieses Haupt!

Barak. Barmherz'ger Himmel!—Doch warum ließt Ihr
Geschehn, daß er im Divan der Gefahr
Sich bloßgestellt?

Ismael. Mein Unglück braucht noch Vorwurf.
Gewarnt hab' ich, beschworen und gefleht,
Wie es mein Herz, wie's meine Pflicht mich lehrte.
Umsonst! Des Freundes Stimme wurde nicht
Gehört; die Macht der Götter riß ihn fort.

Barak. Beruhigt Euch!