Kalaf. Erscheinungen!—Du sagtest recht, Brigella!
Doch, daß mein Vater hier in Peckin sei
Und meine Mutter todt, hat dieses Weib
Mit einem heil'gen Eide mir bekräftigt!
Kommt doch das Unglück nie allein! Ach, nur
Zu glaubhaft ist der Mund, der Böses meldet!
(Die entgegengesetzte Thüre öffnet sich.)
Noch ein Gespenst! Laß sehen, was es will!
Neunter Auftritt.
Kalaf. Zelima.
Zelima. Prinz, ich bin eine Sklavin der Prinzessin
Und bringe gute Botschaft.
Kalaf. Gäb's der Himmel!
Wohl wär' es Zeit, daß auch das Gute käme!
Ich hoffe nichts, ich schmeichle mir mit nichts;
Zu fühllos ist das Herz der Turandot.
Zelima. Wohl wahr, ich leugn' es nicht—und dennoch, Prinz,
Gelang es Euch, dies stolze Herz zu rühren.
Euch ganz allein; Ihr seid der Erste—Zwar
Sie selbst besteht darauf, daß sie Euch hasse;
Doch ich bin ganz gewiß, daß sie Euch liebt.
Die Erde thu' sich auf und reiße mich
In ihren Schlund hinab, wenn ich das lüge!
Kalaf. Gut, gut, ich glaube dir. Die Botschaft ist
Nicht schlimm. Hast du noch Mehreres zu sagen?
Zelima (nähertretend). Ich muß Euch im Vertrauen sagen, Prinz,
Der Stolz, der Ehrgeiz treibt sie zur Verzweiflung.
Sie sieht nun ein, daß sie Unmögliches
Sich aufgebürdet, und vergeht vor Scham,
Daß sie im Divan nach so vielen Siegen
Vor aller Welt zu Schanden werden soll.
Der Abgrund öffne sich und schlinge mich
Hinab, wenn ich mit Lügen Euch berichte!