Kalaf. Ruf nicht so großes Unglück auf dich her!
Ich glaube dir. Geh, sage der Prinzessin,
Leicht sei es ihr, in diesem Streit zu siegen;
Mehr als durch ihren glänzenden Verstand
Wird sich ihr Ruhm erheben, wenn ihr Herz
Empfinden lernt, wenn sie der Welt beweist,
Sie könne Mitleid fühlen, könne sich
Entschließen, einen Liebenden zu trösten
Und einen greisen Vater zu erfreun.
Ist dies etwa die gute Botschaft, sprich,
Die ich zu hören habe?

Zelima. Nein, mein Prinz!
Wir geben uns so leichten Kaufes nicht;
Man muß Geduld mit unsrer Schwachheit haben.
—Hört an!

Kalaf. Ich höre.

Zelima. Die Prinzessin schickt mich.
—Sie bittet Euch um einen Dienst—Laßt sie
Die Namen wissen, und im Übrigen
Vertraut Euch kühnlich ihrer Großmuth an.
Sie will nur ihre Eigenliebe retten,
Nur ihre Ehre vor dem Divan lösen.
Voll Güte steigt sie dann von ihrem Thron
Und reicht freiwillig Euch die schöne Rechte.
—Entschließt Euch, Prinz. Ihr waget nichts dabei.
Gewinnt mit Güte dieses stolze Herz,
So wird nicht Zwang, so wird die Liebe sie,
Die zärtlichste, in Eure Arme führen.

Kalaf (sieht ihr scharf ins Gesicht, mit einem bittern Lächeln).
Hier, Sklavin, hast du den gewohnten Schluß
Der Rede weggelassen.

Zelima. Welchen Schluß?

Kalaf. Die Erde öffne sich und schlinge mich
Hinab, wenn ich Unwahres Euch berichte.

Zelima. So glaubt Ihr, Prinz, daß ich Euch Lügen sage?

Kalaf. Ich glaub' es fast—und glaub' es so gewiß,
Daß ich in dein Begehren nimmermehr
Kann willigen. Kehr' um zu der Prinzessin!
Sag' ihr, mein einz'ger Ehrgeiz sei ihr Herz,
Und meiner glühnden Liebe möge sie
Verzeihn, daß ich die Bitte muß versagen.

Zelima. Bedachtet Ihr, was dieser Eigensinn
Euch kosten kann?