Kalaf. Mag er mein Leben kosten!

Zelima. Es bleibt dabei, er wird's Euch kosten, Prinz!
—Beharrt Ihr drauf, mir nichts zu offenbaren?

Kalaf. Nichts!

Zelima. Lebet wohl! (Im Abgehen.) Die Mühe konnt' ich sparen!

Kalaf (allein). Geht, wesenlose Larven! Meinen Sinn
Macht Ihr nicht wankend. Andre Sorgen sind's,
Die mir das Herz beklemmen—Skirinas
Bericht ist's, was mich ängstiget—Mein Vater
In Peckin! Meine Mutter todt! Muth, Muth, mein Herz!
In wenig Stunden ist das Loos geworfen.
Könnt' ich den kurzen Zwischenraum im Arm
Des Schlafs verträumen! Der gequälte Geist
Sucht Ruhe, und mich däucht, ich fühle schon
Den Gott die sanften Flügel um mich breiten.

(Er legt sich auf das Ruhebette und schläft ein.)

Zehnter Auftritt.

Adelma tritt auf, das Gesicht verschleiert, eine Wachskerze in der Hand. Kalaf schlafend.

Adelma. Nicht Alles soll mißlingen—Hab' ich gleich
Vergebens alle Künste des Betrugs
Verschwendet, ihm die Namen zu entlocken,
So werd' ich doch nicht eben so umsonst
Versuchen, ihn aus Peckin wegzuführen
Und mit dem schönen Raube zu entfliehn.
—O heißerflehter Augenblick! Jetzt, Liebe!
Die mir bis jetzt den kühnen Muth verliehn,
So manche Schranke mir schon überstiegen,
Dein Feuer laß auf meinen Lippen glühn!
Hilf mir in diesem schwersten Kampfe siegen!

(Sie betrachtet den Schlafenden.)