Adelma (bei Seite). Gib Himmel, daß ich jetzt ihn überrede!

(Zu Kalaf sich wendend.)

Prinz, diese Turandot, die schändliche,
Herzlose, falsche, hat Befehl gegeben,
Euch heut am frühen Morgen zu ermorden.
—Dies ist die Liebe Eurer Lebensgöttin!

Kalaf. Mich zu ermorden?

Adelma. Ja, Euch zu ermorden!
Beim ersten Schritt aus diesem Zimmer tauchen
Sich zwanzig Degenspitzen Euch ins Herz,
So hat es die Unmenschliche befohlen.

Kalaf (steht schnell auf und geht gegen die Thüre).
Ich will die Wache unterrichten.

Adelma (hält ihn zurück). Bleibt!
Wo wollt Ihr hin? Ihr hofft noch, Euch zu retten?
Unglücklicher, Ihr wißt nicht, wo Ihr seid,
Daß Euch des Mordes Netze rings umgeben!
Dieselben Wachen, die der Kaiser Euch
Zu Hütern Eures Lebens gab, sie sind—
Gedingt von seiner Tochter, Euch zu tödten.

Kalaf (außer sich, laut und heftig mit dem Ausdruck des
innigsten Leides).
O Timur! Timur! Unglücksel'ger Vater!
So muß dein Kalaf endigen! Du mußt
Nach Peckin kommen, auf sein Grab zu weinen!
Das ist der Trost, den dir dein Sohn versprach!
—Furchtbares Schicksal!

(Er verhüllt sein Gesicht, ganz seinem Schmerz hingegeben.)

Adelma (für sich, mit frohem Erstaunen). Kalaf! Timurs Sohn!
Glücksel'ger Fund!—Fall' es nun, wie es wolle!
Entgeh' er meinen Schlingen auch, ich trage
Mit diesen Namen sein Geschick in Händen.