Kalaf (allein). Wird diese Schreckensnacht nicht enden?
Wer hat auf solcher Folter je gezittert?
Und endet sie, welch neues größres Schreckniß
Bereitet mir der Tag! Aus welchen Händen!
Hat meine edelmüthig treue Liebe
Solches um dich verdient, tyrannisch Herz!
—Wohlan! Den Himmel färbt das Morgenroth,
Die Sonne steigt herauf, und allen Wesen
Bringt sie das Leben, mir bringt sie den Tod!
Geduld, mein Herz, dein Schicksal wird sich lösen!
Eilfter Auftritt.
Brigella. Kalaf.
Brigella. Der Divan wird versammelt, Herr. Die Stunde
Ist da. Macht Euch bereit!
Kalaf (mißt ihn mit wilden, scheuen Blicken). Bist du das Werkzeug?
Wo hast du deinen Dolch versteckt? Mach's kurz!
Vollziehe die Befehle, die du hast!
Du raubst mir nichts, worauf ich Werth noch legte.
Brigella. Was für Befehle, Herr? Ich habe keinen
Befehl, als Euch zum Divan zu begleiten,
Wo Alles schon versammelt ist.
Kalaf (nach einigem Nachsinnen, resigniert). Laß uns denn gehn!
Ich weiß, daß ich den Divan lebend nicht
Erreichen werde—Sieh, ob ich dem Tod
Beherzt entgegen treten kann.
Brigella (sieht ihn erstaunt an).
Was Teufel schwatzt er da von Tod und Sterben?
Verwünschtes Weibervolk! Sie haben ihn
In dieser ganzen Nacht nicht schlafen lassen;
Nun ist er gar im Kopf verrückt!
Kalaf (wirft das Schwert auf den Boden). Da liegt
Mein Schwert. Ich will mich nicht zur Wehre setzen.
Die Grausame erfahre wenigstens,
Daß ich die unbeschützte Brust von selbst
Dem Streich des Todes dargeboten habe!
(Er geht ab und wird, sowie er hinaustritt, von kriegerischem
Spiel empfangen.)