(Beide sehen einander mit unverwandten Blicken an und bleiben eine Zeit lang unbeweglich in dieser Stellung.)

Altoum. Was seh' ich!

Kalaf (nach einer Pause). Du? Du hinderst meinen Tod?
Ist das dein Mitleid, daß ich leben soll,
Ein Leben ohne Hoffnung, ohne Liebe?
Meiner Verzweiflung denkst du zu gebieten?
—Hier endet deine Macht. Du kannst mich tödten;
Doch mich zum Leben zwingen kannst du nicht.
Laß mich, und wenn noch Mitleid in dir glimmt,
So zeig' es meinem jammervollen Vater.
Er ist zu Peckin, er bedarf des Trostes;
Denn auch des Alters letzte Stütze noch,
Den theuren einz'gen Sohn raubt ihm das Schicksal.

(Er will sich tödten.)

Turandot (wirft sich ihm in die Arme).
Lebt, Kalaf! Leben sollt Ihr—und für mich!
Ich bin besiegt. Ich will mein Herz nicht mehr
Verbergen—Eile, Zelima, den beiden
Verlassenen, du kennst sie, Trost zu bringen,
Freiheit und Freude zu verkünden—Eile!

Zelima. Ach, und wie gerne!

Adelma (für sich). Es ist Zeit, zu sterben.
Die Hoffnung ist verloren.

Kalaf. Träum' ich, Götter?

Turandot. Ich will mich keines Ruhms anmaßen, Prinz,
Der mir nicht zukommt. Wisset denn, es wisse
Es alle Welt. Nicht meiner Wissenschaft,
Dem Zufall, Eurer eignen Übereilung
Verdank' ich das Geheimniß Eures Namens.
Ihr selbst, Ihr ließet gegen meine Sklavin
Adelma beide Namen Euch entschlüpfen.
Durch sie bin ich dazu gelangt—Ihr also habt
Gesiegt, nicht ich, und Euer ist der Preis.
—Doch nicht bloß, um Gerechtigkeit zu üben
Und dem Gesetz genug zu thun—Nein, Prinz!
Um meinem eignen Herzen zu gehorchen,
Schenk' ich mich Euch—Ach, es war Euer, gleich
Im ersten Augenblick, da ich Euch sah!

Adelma. O nie gefühlte Marter!