Tartaglia. Allerhöchster Tien! Mein Verstand steht still!

Kalaf. Alles verloren! Alle Hoffnung todt!
—Wer steht mir bei? Ach, mir kann Niemand helfen!
Ich bin mein eigner Mörder; meine Liebe
Verlier' ich, weil ich allzusehr geliebt!
—Warum hab' ich die Räthsel gestern nicht
Mit Fleiß verfehlt, so läge dieses Haupt
Jetzt ruhig in dem ew'gen Schlaf des Todes,
Und meine bange Seele hätte Luft.
Warum, zu güt'ger Kaiser, mußtet Ihr
Das Blutgesetz zu meinem Vortheil mildern,
Daß ich mit meinem Haupt dafür bezahlte,
Wenn sie mein Räthsel aufgelöst—So wäre
Ihr Sieg vollkommen und ihr Herz befriedigt!

(Ein unwilliges Gemurmel entsteht im Hintergrund.)

Altoum. Kalaf! Mein Alter unterliegt dem Schmerz;
Der unversehne Blitzstrahl schlägt mich nieder.

Turandot (bei Seite zu Zelima).
Sein tiefer Jammer rührt mich, Zelima!
Ich weiß mein Herz nicht mehr vor ihm zu schützen.

Zelima (leise zu Turandot).
O, so ergebt Euch einmal! Macht ein Ende!
Ihr seht, Ihr hört, das Volk wird ungeduldig!

Adelma (für sich). An diesem Augenblick hängt Tod und Leben!

Kalaf. Und braucht's denn des Gesetzes Schwert, ein Leben
Zu endigen, das länger mir zu tragen
Unmöglich ist? (Er tritt an den Thron der Turandot.)
Ja, Unversöhnliche!
Sieh hier den Kalaf, den du kennst—den du
Als einen namenlosen Fremdling haßtest,
Den du jetzt kennst und fortfährst zu verschmähn!
Verlohnte sich's, ein Dasein zu verlängern,
Das so ganz werthlos ist vor deinen Augen?
Du sollst befriedigt werden, Grausame.
Nicht länger soll mein Anblick diese Sonne
Beleidigen—Zu deinen Füßen—

(Er zieht einen Dolch und will sich durchstechen. In demselben Augenblick macht Adelma eine Bewegung, ihn zurück zu halten, und Turandot stürzt von ihrem Thron.)

Turandot (ihm in den Arm fallend, mit dem Ausdruck des Schreckens
und der Liebe).
Kalaf!