Thekla. (sich besinnend und schmerzvoll vor sich hinschauend)
O meine Mutter!
Neubrunn.
So viel schon leidet sie, die gute Mutter,
Soll sie auch dieser letzte Schlag noch treffen?
Thekla.
Ich kann's Ihr nicht ersparen!—Geh nur, geh.
Neubrunn.
Bedenken Sie doch ja wohl, was Sie tun.
Thekla.
Bedacht ist schon, was zu bedenken ist.
Neubrunn.
Und sind wir dort, was soll mit Ihnen werden?
Thekla.
Dort wird's ein Gott mir in die Seele geben.
Neubrunn.
Ihr Herz ist jetzt voll Unruh, teures Fräulein,
Das ist der Weg nicht, der zur Ruhe führt.
Thekla.
Zur tiefen Ruh, wie er sie auch gefunden.
—O eile! geh! Mach keine Worte mehr!
Es zíeht mich fort, ich weiß nicht, wie ich's nenne,
Unwiderstehlich fort zu seinem Grabe!
Dort wird mir leichter werden, augenblicklich!
Das herzerstickende Band des Schmerzens wird
Sich lösen—Meine Tränen werden fließen.
O geh, wir könnten längst schon auf dem Weg sein.
Nicht Ruhe find ich, bis ich diesen Mauern
Entrunnen bin—sie stürzen auf mich ein—
Fortstoßend treibt mich eine dunkle Macht
Von dannen—Was ist das für ein Gefühl!
Es füllen sich mir alle Räume dieses Hauses
Mit bleichen, hohlen Geisterbildern an—
Ich habe keinen Platz mehr—Immer neue!
Es drängt mich das entsetzliche Gewimmel
Aus diesen Wänden fort, die Lebende!
Neubrunn.
Sie setzen mich in Angst und Schrecken, Fräulein,
Daß ich nun selber nicht zu bleiben wage.
Ich geh und rufe gleich den Rosenberg.
(Geht ab.)