Zwölfter Auftritt

Thekla.
Sein Geist ist's, der micht ruft. Es ist die Schar
Der Treuen, die sich rächend ihm geopfert.
Unedler Säumnis klagen sie mich an.
Sie wollten auch im Tod nicht von ihm lassen,
Der ihres Lebens Führer war—Das taten
Die rohen Herzen, und ich sollte leben!
—Nein! Auch für mich ward jener Lorbeerkranz,
Der deine Totenbahre schmückt, gewunden.
Was ist das Leben ohne Liebesglanz?
Ich werf es hin, da sein Gehalt verschwunden.
Ja, da ich dich, den Liebenden gefunden,
Da war das Leben etwas. Glänzend lag
Vor mir der neue goldne Tag!
Mir träumte von zwei himmelschönen Stunden.
Du standest an dem Eingang in der Welt,
Die ich betrat mit klösterlichem Zagen,
Sie war von tausend Sonnen aufgehellt;
Ein guter Engel schienst du hingestellt,
Mich aus der Kindheit fabelhaften Tagen
Schnell auf des Lebens Gipfel hinzutragen.
Mein erst Empfinden war des Himmels Glück,
In dein Herz fiel mein erster Blick!
(Sie sinkt hier in Nachdenken und fährt dann mit Zeichen des
Grauens auf.)
—Da kommt das Schicksal—Roh und kalt
Faßt es des Freundes zärtliche Gestalt
Und wirft ihn unter den Hufschlag seiner Pferde—
—Das ist das Los des Schönen auf der Erde!

Dreizehnter Auftritt

Thekla. Fräulein Neubrunn mit dem Stallmeister.

Neubrunn.
Hier ist er, Fräulein, und er will es tun.

Thekla.
Willst du uns Pferde schaffen, Rosenberg?
Stallmeister.
Ich will sie schaffen.

Thekla.
Willst du uns begleiten?

Stallmeister.
Mein Fräulein, bis ans End' der Welt.

Thekla.
Du kannst
Zum Herzog aber nicht zurück mehr kehren.

Stallmeister.
Ich bleib bei Ihnen.