Buttler.
Er trieb mich dazu an, verwendete
Sich selbst für micht, mit edler Freundeswärme.
Octavio.
So? Wißt ihr das gewiß?
Buttler.
Ich las den Brief.
Octavio. (bedeutend)
Ich auch—doch anders lautete sein Inhalt.
(Buttler wird betroffen.)
Durch Zufall bin ich im Besitz des Briefs,
Kann Euch durch eignen Anblick überführen.
(Er gibt ihm den Brief.)
Buttler.
Ha! was ist das?
Octavio.
Ich fürchte, Oberst Buttler,
Man hat mit Euch ein schändlich Spiel getrieben.
Der Herzog, sagt Ihr, trieb Euch zu dem Schritt?—
In diesem Briefe spricht er mit Verachtung
Von Euch, rät dem Minister, Euren Dünkel,
Wie er ihn nennt, zu züchtigen.
(Buttler hat den Brief gelesen, seine Knie zittern, er greift nach
einem Stuhl, setzt sich nieder.)
Kein Feind verfolgt Euch. Niemand will Euch übel.
Dem Herzog schreibt allein die Kränkung zu,
Die ihr empfangen; deutlich ist die Absicht.
Losreißen wollt' er Euch von Eurem Kaiser—
Von Eurer Rache hofft' er zu erlangen,
Was Eure wohlbewährte Treu ihn nimmer
Erwarten ließ bei ruhiger Besinnung.
Zum blinden Werkzeug wollt' er Euch, zum Mittel,
Verworfner Zwecke Euch verächtlich brauchen.
Er hat's erreicht. Zu gut nur glückt' es ihm,
Euch wegzulocken von dem guten Pfade,
Auf dem Ihr vierzig Jahre seid gewandelt.
Buttler. (mit der Stimme bebend)
Kann mir des Kaisers Majestät vergeben?
Octavio.
Sie tut noch mehr. Sie macht die Kränkung gut,
Die unverdient dem Würdigen geschehn.
Aus freiem Trieb bestätigt sie die Schenkung,
Die Euch der Fürst zu bösem Zweck gemacht.
Das Regiment ist Euer, das Ihr führt.
Buttler. (will aufstehen, sinkt zurück. Sein Gemüt arbeitet heftig, er versucht zu reden und vermag es nicht. Endlich nimmt er den Degen vom Gehänge und reicht ihn dem Piccolomini)
Octavio.
Was wollt Ihr? Faßt Euch.