»Er will weiter nichts, als« – sie führte mich zur Gräfin, und deutete mit dem Zeigefinger der linken Hand auf ihre Lippen und auf die meinigen –

»O,« rief die Gräfin wie aufgebracht: »meine Einwilligung habt ihr! Wenn der Herr zurückkömmt, will ich es ihm vortragen. Wenn das alles ist, was Wilhelm verlangt, das soll ihm gewährt werden« –

Ich fuhr nach ihrer Hand, denn ich bildete mir ein, sie hätte die Pantomime der Kammerjungfer gerade so verstanden, wie ich –

»Ja, ja,« rief sie noch hitziger als vorher, und zog die Hand zurück: »ja, ja! Ihr sollt – Mann und Frau werden, auf mein Ehrenwort.« – Sie schlüpfte in ihr Zimmer, und ich wußte nicht, ob ich im Himmel oder auf Erden war. Die Kammerjungfer wollte sich halbtodt lachen.

»Mann und Frau!« rief ich, wie aus einem Traum erwachend: »Wir beyde Mann und Frau?«

Nicht anders, mein lieber Wilhelm! sagte sie lachend, und wollte mich bey der Hand nehmen. Ich schleuderte sie unsanft von mir.

»Ich bin nicht in Sie verliebt,« rief ich so laut, daß mich die Gräfin wohl hören konnte: »ich bin nicht in Sie verliebt! Ich mag Sie nicht heyrathen! Ich mag keine Frau! Das ist ein Mißverstand« –

Unter diesen Worten lief ich lärmend aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. Aber kaum war ich unten, so fuhr mir der Irrthum der Gräfin von neuem wilder als vorher durch den Kopf; ich stürmte die Treppe hinan, rannte, schier ohne Bewußtseyn, durch das Zimmer der Kammerjungfer, machte das Zimmer der Gräfin weit auf, und rief hinein: Nein, gnädige Gräfin, ich bin nicht in Lisetten verliebt! schlug die Thür zu, und stürzte wie vorher die Treppe hinunter.

Wie bitter war ich getäuscht! Ich glaubte eines Kusses von ihren Rosenlippen schon so gewiß zu seyn, und statt desselben soll ich bekommen – eine Frau?

Fünftes Kapitel.
Welch eine Heldenthat!