Diese Gedanken jagten mich gleichsam zu dem Zimmer der Kammerjungfer. Es mußte der Bübin sehr leicht werden, diese ungewöhnliche Bereitwilligkeit auszudeuten.

Kaum fünf Minuten vorbey, so ging die Thür auf, und in derselben stand die Gräfin. Ich sprang auf.

»Laßt euch nicht stören, Kinder!« sagte sie mit einer überaus gnädigen Miene: »Ihr seyd überdies so still, daß man euch kaum hört! – Wilhelmen ist heute wieder wohl?« fuhr sie zu mir fort.

Recht wohl! erwiederte ich, und in diesen Augenblicken fühlte ich mich auch wirklich recht wohl.

»O, es ist ihm ja nie weh gewesen!« schnatterte die Kammerjungfer dazwischen. Die Gräfin schien flüchtig zu erröthen, aber ich brannte über und über.

»Er verlangt auch nicht einmal ein kleines Schmerzengeld!« fuhr sie fort.

Ich war wie mit heissem Wasser begossen, und zitterte an Händen und Füßen.

»Ich habe ihm eins in Vorschlag gebracht,« fuhr sie fort und hustete auf eine schelmische Art, indem sie mich scharf ins Auge faßte und mich bey der Hand nahm –

»Soll ichs sagen, Wilhelm?«

Vorher dürstete ich nach einer Gelegenheit, der Gräfin mein Anliegen vorzutragen, und jetzt, als ich sie in Händen hatte, war ich halbtodt!