»Ihre kurzen Antworten sind unausstehlich, Lemberg, ich will längere!«

Befehlen Sie sonst etwas, gnädige –

»Nichts, nichts befehle ich! Sie sollen mir 'was erzählen. Ich habe Langeweile!«

So will ich ihr Kammermädchen rufen –

Mit diesen Worten drehete ich mich schnell um und sprang zum Zimmer hinaus. Sie rief, aber ich hörte nicht, sondern sandte ihr das Kammermädchen. Es ward mir unendlich wohl ums Herz, als ich sie im Rücken hatte, aber was half die unbedeutende Frist? Wenn es ihr einfiel, mußte ich doch wiederkommen.

Sechstes Kapitel.
Drey sonderbare Maulschellen.

Es war natürlich, daß mir mein Verdruß über diese unerträgliche Lage hundert Plane vorlegte, wie ich mich aus derselben ziehen sollte. Wäre ich dem ersten Ausbruche meines wilden Zorns gefolgt, so hätte ich die Gräfin erschossen und mich mit; oder ich hätte meinem rechten Arm den Willen gelassen, der armen Frau den Kopf eingeschlagen und mich auf flüchtigen Fuß gesetzt; oder ich hätte öffentlich erklärt, daß ich nicht länger Page bleiben wollte, wenn man mir nicht einen andern Posten gäbe.

Aber alle diese Wege hatten ihre Unbequemlichkeiten, und ich sah keinen andern vor mir, als mich eine Weile krank zu stellen, um dadurch zu bewirken, daß man der Gräfin einen andern Pagen gäbe. Aber das Betteliegen war mir lästig. Lange Weile und besonders Schaam vor mir selbst, machten mich nach drey Tagen wieder gesund. Die Gräfin hatte zwar einen andern Pagen bekommen, aber so bald es hieß, ich sey wieder hergestellt, forderte sie mich zurück. Ich ging im bittersten Unmuth zu ihr und fühlte, daß mein Abscheu die letzten drey Tage nicht abgenommen hatte.

Es war des Morgens gegen eilf Uhr, als sie mich rufen ließ. Sie lag fast in eben der Stellung auf der Ottomanne, als vor drey Tagen, und dies that eben die widrige Wirkung auf mich wie damals. Ihr platter Busen zeigte sich in seinem ganzen Lichte, und auf ihren Backenbeinen lag ein heller Karmin, der gegen ihre natürliche Farbe einen häßlichen Absatz machte.

»Sie können nicht sehr krank gewesen seyn,« hub sie an: »oder Sie haben einen guten Arzt gehabt.«