»O, sagen Sie mir, entdecken Sie sich mir! Was ich thun kann – Ich bin es Ihrer Mutter schuldig, daß ich mich Ihrer annehme. Stehen Sie nicht so mißtrauisch von der Seite, kommen Sie her, setzen Sie sich, entdecken Sie sich mir, ich verspreche Ihnen meinen ganzen Einfluß.« –
Ich nahm ihr Anerbieten nicht an, und blieb verstockt stehen. Wenn ich minder wider sie eingenommen gewesen wäre, so hätte ich wohl sehen können, daß ihr Betragen nicht Spott war; aber sie hatte es sich selbst zuzuschreiben, daß mir ihre geringschätzige Aeusserung im Vorzimmer so gegenwärtig blieb. Genug, ihr ganzes Benehmen däuchte mir boshafter Spott, und in meinem Herzen kochte eine Wuth, die ich nicht länger zurückhalten konnte. Ich zitterte an allen Gliedern, und in meinem Gesichte brannte ein Feuer, das mir die Adern zu sprengen drohte.
Sie erklärte dieses Phänomen zu ihrem Vortheil, und jetzt sehe ich wohl, daß sie sich schwerlich so viel an ihrem Busen zu schaffen gemacht haben würde, wenn sie mir hätte ins Herz sehen können.
Plötzlich sprang sie mit einem Angstgeschrey auf und rief: eine Spinne, eine Spinne, Lemberg, ums Himmelswillen, hier! hier! Ich beschwöre Sie –
Ein schöner Anblick!
Ich will ihr Kammermädchen rufen! sagte ich mit Verdruß und Kälte, und wollte aus dem Zimmer, aber sie hielt mich.
»Nicht doch, Lemberg! Es war wohl nur Einbildung! Bleiben Sie! Sehn Sie nichts?«
Ein halber Blick auf die schreckliche Aussicht setzte mich in unbeschreibliche Verwirrung. Ich sah nicht hin, versicherte aber doch, es kröche keine Spinne an ihrem Halse.
»Aber hier – hier kribbelts doch!«
Ich sehe nichts!