»Das ist kein Wunder, Sie sehen auf die Dielen. Gefühlloser Mensch, wie können Sie beym Schreck einer Dame so gleichgültig seyn? Kommen Sie her und bitten mirs ab, oder ich kneipe Sie in Ihre kleinen, runden Backen.«
Kaum hatte sie Backen ausgesagt, so stürzte meine ganze kochende, so lange zurückgehaltene Wuth, in meinen rechten Arm, und der that seine Pflicht. Ich gab ihr eine Maulschelle, daß sie mit offenem Munde vor mir stand, und stumm und starr wie ein Pagode nickte. Aber sie hatte Geistesgegenwart – sie gab mir zwey Schellen so rasch und hitzig zurück, daß ich die erste noch nicht fühlte, als mir die zweyte schon auf dem Backen brannte.
Da standen wir und stutzten uns an, wie zwey Hähne, die einander gewachsen sind.
Siebentes Kapitel.
Weltklugheit und Menschenkenntniß.
So standen wir gegen einander über fünf Minuten. Alle ihre Glieder zitterten vor Bosheit und ihr Mund lachte.
»Wir sind quitt,« sagte sie endlich: »und ich bin noch mit Einer Schelle im Vortheil. Aber dafür bin ich auch nur ein armes schwaches Weib und Sie – ein Halbgott!«
Auf einmal war nun mein Erstaunen so groß, als vorhin meine Wuth. Ich hatte vermuthet, daß sie Himmel und Hölle bewegen, die Beleidigung anzeigen und nicht eher ruhen würde, bis sie mir ewiges Gefängniß ausgewirkt hätte. Ueberraschend und unerklärbar war mir also ihr Benehmen.
»Wenn Sie zu dem ersten Schritte Mann genug waren« fuhr sie fort: »so sind Sie's auch zum zweyten – Kein Mensch darf erfahren, was unter uns vorgefallen ist! Versprechen Sie mir das?«
Ich stand von der Seite und hatte kurzen Athem. Sie nahm mit Ungeduld meine Rechte und drückte sie mit beyden Händen.
»Versprechen Sie mir das?«