Ich machte immer noch dieselbe Pantomime. Sie schüttelte mich.

»Ob Sie mir das versprechen, Lemberg?«

Ich sah an die Decke. Meine Hitze war merklich verflogen.

Sie schlug beyde Hände vor die Brust, als wenn sie außer Athem wäre, und sank wie ohnmächtig auf den nächsten Stuhl. Ich machte Miene, aus dem Zimmer zu gehen – plötzlich waren alle ihre Kräfte wieder da, und sie hielt mich mit einer Stärke, die ich einer Frau von ihrer Schwächlichkeit nicht zugetrauet hätte.

»Lemberg,« rief sie mit schwacher Stimme, die ihr aber große Anstrengung kostete: »Lemberg, seyn Sie nur halb so großmüthig als ich!«

Dies Wort hielt mich und schlug mich beynahe zu Boden. Nur halb so großmüthig, als dies – Weib?

»Was wollen Sie von mir, gnädige Frau?«

Diese Frage heiterte alle ihre Mienen und Blicke auf, und sie schien alles Verdrusses, aller Unruhe zu vergessen.

Freylich muß mein Blick, nach den Bewegungen zu schließen, die ich bey den Worten, »nur halb so großmüthig« empfand, von jenem ganz verschieden gewesen seyn, mit welchem ich die rechte Hand wider sie aufhob. So weit ich mich kenne, mußte sie tiefe Beschämung und Demüthigung in demselben bemerkt haben.

Sie konnte auch von nun an mit mir machen, was sie wollte. Sie zog mich zu sich auf die Ottomane und ich blieb gelassen sitzen; sie drückte mir die Hand und ich ließ es geschehen, ohne sie wegzuziehen. Als sie mich so weit hatte, glaubte sie mich auch nach der Ursache meines wüthenden Betragens fragen zu können. Ich gestand, daß sie mich zuerst im Vorzimmer beleidigt habe; erzählte, was ich von dem Pagen Neuberg hatte hören müssen und beschrieb ihr Zug vor Zug alle die Grade, die mein innerer Verdruß durchstiegen war, um endlich zum Ausbruche zu stürzen – und das alles mit einer feurigen Beredtsamkeit.