[593] Globus. Bd. XL. S. 367.
[594] Dalton. Ethnologie Bengalens. S. 48.
[595] Thomson. Durch Massailand. S. 82.
[596] H. H. Johnston. Der Kilima-Ndscharo. Forschungsreise im östlichen Äquatorialafrika. Autorisierte deutsche Ausgabe. Leipzig 1886. S. 406.
[597] H. Spencer. Prinzipien der Soziologie. Bd. II. S. 221.
[598] Schweinfurth. Im Herzen von Afrika. Bd. II. S. 96.
[599] Dafür, dass dieses Verlangen nicht etwa auf die Freuden der Mutterschaft, sondern lediglich auf den Geschlechtsgenuss gerichtet ist, sprechen unter andern die mancherlei Massregeln, welche zur Verhütung der Schwangerschaft oft sogar dort ergriffen werden, wo den Mädchen freier Geschlechtsumgang noch unverwehrt ist. Die rohen Massai z. B., welche ihren Töchtern vor der Ehe ein ungebundenes Leben im Kriegerkraal gestatten, bestrafen jede Schwangerschaft mit dem Tode. Damit dies nicht geschehe, wird Vorkehrung getroffen. (Quod ne accidat, dum bellatores juvenes innuptaeque puellae amori venereo inter se indulgent, viris hoc curae est in coitu, ut ante semen emissum penem extrahant. Siehe Thomson. Durch Massailand. S. 522.) Die Australierinnen haben eine besondere Art, mit einer schlängelnden Bewegung des Mittelkörpers und einem kräftigen Ruck sich des Sperma zu entledigen, welche sogar eine bestimmte Benennung in der Mundart der Eingeborenen haben soll, und nach der Begattung gewöhnlich geübt wird, mit der Absicht, keine weiteren folgen des Zusammenseins mit einem Weissen durchzumachen. (Verhdlgn. d. Berl. Gesellsch. f. Anthropologie 1880. S. 88.) Hierher gehört auch die weit verbreitete Sitte der Fruchtabtreibung (künstlicher Abortus, Ekbole), welche sich aus ganz gleichen Gründen auch auf Frauen erstreckt. Sie alle wollen den Schmerzen des Geburtsaktes entgehen und die eigene Schönheit bewahren, ohne auf den Geschlechtsgenuss zu verzichten. Die Kamtschadalen suchen daher häufig sogar durch Beschwörungen und Kräuter der Empfängnis überhaupt zuvorzukommen, wie dieses auch die Munda in Ostindien durch Verschiebung und Verdrückung der Gebärmutter zu thun versuchen; bei diesen geht überhaupt die Abtreibung der Frucht mit Hilfe erfahrener alter Frauen, ebenso wie auch bei den niedrigen Hindukasten stark im Schwange. (Th. Jellinghaus in der Berl. Zeitschr. f. Ethnol. Bd. III. S. 365.) In dieser Übung haben auch die Bewohnerinnen der Landschaft Bruni auf Borneo die höchste Meisterschaft. (Klöden. Handbuch der Erdkunde. Bd. IV. S. 592.) Auf Samoa ist die Abneigung gegen das Säugen häufiger Grund für die Entfernung des Leibessegens, auf den Sandwichinseln die Furcht vor den Schwangerschaftsbeschwerden; desgleichen auf den Vitiinseln (Ausland 1859. S. 113). Dem nämlichen Gebrauche huldigen auf Tahiti, den Marschallinseln und auf Neukaledonien nicht bloss Mädchen, sondern auch Frauen, um ihre Körperreize länger zu bewahren; ja die ganz rohen Bewohnerinnen Neukaledoniens bestreben sich noch dabei, ihre Brüste möglichst lange straff zu erhalten. (Ausland. 1860. S. 970.) Der Abortus dringt auch in die Kreise höherer Gesittung; er ist gang und gäbe bei den Türkinnen Kleinasiens, nicht bloss in den niederen Volksschichten, sondern in den besten Häusern (Globus. Bd. XXXVIII. S. 223), er ist häufig in Persien und war bekanntlich in der Zeit des römischen Kaisertums, freilich nur bei reichen Frauen, an der Tagesordnung. In den Neuenglandstaaten Nordamerikas ward schon seit dreissig Jahren die Aufmerksamkeit der Ärzte auf die Thatsache gelenkt, dass die Praxis der Fruchtabtreibung unter verheirateten amerikanischen Frauen in unglaublichem Grade um sich greife (Ausland 1866. S. 959.). Nachrichten aus der Gegenwart melden von keiner Veränderung in dieser Sachlage; die Amerikanerinnen wollen nicht Mutter werden und durch Vermeiden des Gebärens ihre Reize länger frisch erhalten. In den Kreisen unserer Gesittung, mit ihren geläuterten Begriffen, ist natürlich eine solche vorzeitige Vernichtung des Lebens als sittliche Verirrung gebrandmarkt. An rohe, kulturarme Menschen lässt sich aber dieser Massstab nicht anwenden. Sie sehen kein Unrecht darin, den Folgen des Genusses zu wehren, um den es ihnen allein zu thun ist. In sehr naiver Weise drückt sich dies in den seltsamen Mitteln aus, wodurch manche Völker jenen Genuss zu erhöhen streben. Dahin gehört z. B. die bei den Dayak auf Borneo übliche künstliche Perforatio glandis Penis, worüber N. v. Miklucho-Maclay dankenswerte Mitteilungen gemacht. Es werden in den künstlich hergestellten Kanal, um die Geschlechtslust der Frauen zu erhöhen, verschiedene Körper eingebracht, kleine Stäbchen aus Messing, Elfenbein, Silber, ja aus Bambu u. dgl. Ein eigenes Instrument ist der Ampallang, ein metallenes Stäbchen von 4 cm Länge, an dessen einem Ende eine Kugel oder Birne von Achat oder Metall festsitzt, während die andere Kugel nach dem Durchstecken des Ampallangs durch die Glans am andern Ende befestigt wird. Eine ähnliche Vorrichtung meldete schon Carletti von den Bisayern auf den Philippinen und ist, nur scheinbar noch verwickelter, auch auf Nord-Celebes unter dem Namen Kambiong oder Kambi in Gebrauch. Auch pflegt man dort den Lidrand mit den daran stehenden Augenlidern eines Bockes, als einer Art von borstigem Kragen, beim Geschlechtsakte vor das Praeputium um die Glans zu binden, und eine entsprechende Gepflogenheit herrscht auf Java, besonders in der Preanger Regentschaft. (Verhdlg. der Berl. Gesellsch. für Anthropologie. 1876. S. 22–26.) Von den kannibalischen Batta auf Sumatra berichtet F. Hagen, dass sie Einschnitte in die Haut der Glans penis machen, um in diese Einschnitte ein kleines, meist etwa 1 cm grosses, oft aber auch doppelt so grosses weisses Steinchen von prismatischer Gestalt mit abgerundeten Kanten zu legen. Nachdem die Wunde geheilt ist, stellt die Glans eine höckerige Oberfläche dar. (Korrespondenzblatt d. deutsch. Gesellsch. f. Anthrop. 1880. S. 41–42.) Alle diese Vorkehrungen bewirken eine starke Reibung der Wandungen der Vagina, um dadurch die Geschlechtslust des Weibes zu steigern. Alle Berichterstatter betonen, dass die Sitte samt allen Vorrichtungen von den Weibern selbst oder nur für sie erfunden ist; jedenfalls wird der Gebrauch durch die nicht nachlassenden Forderungen des andern Geschlechts erhalten, indem die Männer ohne diese Anbequemung zum Festhalten der Reizapparate von den Weibern zurückgewiesen werden. Jene, die sich aber mehrere Perforationen gefallen lassen, werden dagegen besonders gesucht und geschätzt. Die Dayakinnen haben gar das Recht, den Ampallang, dessen Länge sie selbst bestimmen, zu verlangen; will der Mann es nicht, so kann die Frau sich von ihm scheiden. (Verhdlg. d. Berl. Gesellsch. A. a. O. S. 25), und Hagen erzählt, dass die Battaweiber „wie närrisch sind auf einen Mann mit eingelegten Steinchen“. Ob die eigentümliche Mika-Operation der Australier (Verhdlg. d. Berl. Gesellsch. f. Anthrop. 1880. S. 85–87) dem nämlichen Zwecke dient, ist nicht ausgemacht, wohl aber soll bei den Eingeborenen des Nordwestküstenstriches Australiens eine Erweiterung des Orificium urethrae ausgeführt werden, um das wollüstige Gefühl zu steigern. (A. a. O.) Diese bisher wenig bekannten und beachteten Sitten zeigen wohl deutlich, wie geringe Anforderungen an die weibliche Zurückhaltung bei rohen Völkerstämmen zu stellen sind.
[600] Über den Zusammenhang des Phallusdienstes mit dem Fetischismus s. Girard de Rialle. La mythologie comparée. Paris 1878. Bd. I. S. 170–175.
[601] Dargun. Mutterrecht und Raubehe. S. 146.
[602] G. A. Wilken. Over de primitieve vormen van het Huwelijk. (Ind. Gids. Oktob. 1880. S. 59–64).