James’ Preß Agency, London
Abbildung 30
Schimpanse


GRÖSSERES BILD

Wie wir früher schon sahen, üben manche Fische eine Brutpflege aus, indem sie ihre Jungen eine Zeitlang führen und schützen. Die zahlreiche Nachkommenschaft bildet dann mit den Elterntieren einen Familienschwarm.

Bei den Winterschwärmen vereinigen sich die Fische, wie Weißfische, Aale und andere, um sich scharenweise im Schlamm zu vergraben und im erstarrten Zustande einen Winterschlaf zu halten.

Die größten Vergesellschaftungen bilden die Fische auf ihren Wanderungen, die z. B. die Lachse aus dem Meer in die Flüsse und die Aale umgekehrt aus den Binnengewässern in das Meer unternehmen, um den weitentfernten Laichplätzen zuzustreben.

Die Massenvereinigung der Fische auf ihren Wanderzügen verschafft ihnen den Vorteil, Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen, wie Wehren, Stromschnellen oder Wasserfälle, leichter überwinden zu können, indem die dicht zusammengedrängte Masse der Fischleiber als ein Ganzes wirkt und so eine gewaltige Kraft entfaltet.

Außer diesen äußeren Gründen, die die Fische zur Schwarmbildung veranlaßt, spielt zweifellos auch ein ausgeprägter Geselligkeitstrieb hierbei eine große Rolle. —

Rudel der Hirsche

Die letzten Sonnenstrahlen bedecken die Flur; die Bäume am Waldesrand, an dem wir unsere Schritte heimwärtslenken, werfen lange Schatten in abenteuerlicher Gestalt auf ein wogendes Roggenfeld. Plötzlich bleiben wir wie gebannt stehen, aus dem Walde schiebt sich langsam ein großer, dunkler Körper hervor — ein Stück Rotwild, das zur Äsung auszieht. Vorsichtig tritt es auf den Weg und verhofft mit hochgehobenem Kopf. Der Windfang, wie der Jäger die Nase des Wildes nennt, saugt begierig die leise Luftströmung ein, die ihm die Witterung des verhaßten Menschen aus weitester Entfernung zuträgt; die Lauscher drehen sich hin und her, um die feinsten Schallwellen aufnehmen zu können. Nach kurzer Zeit senkt das Tier vertraut den Kopf und zieht weiter. Die Luft ist rein und nichts scheint den Frieden der Natur zu stören. In wenigen Augenblicken folgt ein zweites Tier mit einem Kalb, immer mehr Wild tritt heraus. Wir zählen 7, 8, 9 Stück Rotwild, alles Kahlwild, d. h. weibliches Wild in der Weidmannssprache. Schließlich folgt ein schwacher Hirsch, ein Achtender mit noch ungefegtem Geweih. Die starken Kronenhirsche stehen in der Feistzeit im Sommer abseits vom Mutterwild ([Abbildung 27]). Sie hassen die Kinderstube und lieben die Einsamkeit, indem sie entweder als Einzelgänger ein heimliches Leben führen, oder zu zweien, bisweilen auch zu mehreren sich zusammentun, bis im Herbst, wenn die Blätter fallen, die Macht der Liebe sie erfaßt und sie wieder zum Kahlwild streben, um mit orgelndem Brunftschrei das Recht des Stärkeren geltend zu machen.