Zum Schlusse eine Anekdote von Voltaire. Er bekommt Lust endlich einmal einen vielgerühmten Sonnenaufgang zu sehen, wird mächtig ergriffen und ruft: Dieu, je crois, je crois en Dieu. — Dann aber setzt er sogleich hinzu: mais quant à Monsieur votre fils, et Madame sa mère, c’est autre chose!


Zweiundsechzigster Brief.

Paris, den 15. September 1848.

Die Nachricht: daß Hr. Dahlmann kein kriegslustiges Ministerium hat zu Stande bringen können, machte auf die hiesigen Machthaber den günstigsten Eindruck und gab meinen Vorstellungen ein neues Gewicht.

So habe ich denn heute das Schreiben Sr. kaiserl. Hoheit, des Hrn. Reichsverwesers, in der Art übergeben, wie dies, soviel ich weiß, in London geschehen ist. Nachdem ich Hrn. General Cavaignac mit einigen Worten angeredet, deren Inhalt Hr. Bastide vollkommen vorher gebilligt hatte, antwortete jener in so freundlicher als bestimmter Weise: er nehme das Schreiben, worin eine vollendete Thatsache angekündigt werde, in dieser Beziehung gern an, und wiederholte, daß die französische Republik sich in den inneren Entwickelungsgang Deutschlands nie einmischen werde. Wie groß ihre Friedensliebe sei, gehe augenscheinlich daraus hervor, daß sie ihre Gränzen nie überschritten; während dies von vielen anderen Mächten, so von Schweden, Rußland, Preußen und Österreich geschehen sei. Überall wirke sie für Aussöhnung und hoffe, nie gezwungen zu werden, ihre Ehre, Rechte und Pflichten nachdrücklich vertheidigen zu müssen.

Da die diplomatischen Verhältnisse der einzelnen deutschen Staaten und der Centralgewalt zum Auslande noch nicht vollständig geordnet wären, so dürfe Frankreich nicht voreilig entscheiden und etwa accreditirte Gesandte wegweisen, bevor deren Regierungen ihre Wünsche und Beschlüsse unmittelbar an den Tag gelegt hätten. Mit mir werde man indessen gern weiter verhandeln und wünsche, daß ich dazu länger hier verweilen möge. Es wäre unschicklich, auf das für mich schmeichelhaft Gesagte umständlicher einzugehen, doch bemerke ich noch, daß die Hrn. Cavaignac und Bastide äußerten: sie würden ihre Ansichten und Wünsche hierüber in Frankfurt aussprechen lassen.

Der Himmel gebe, daß keine neuen Kriegsbeschlüsse von der Reichsversammlung gefaßt werden, sie würden hier alle Zuneigung, ja — alle Achtung vor der politischen Weisheit der Abgeordneten gänzlich untergraben.

Mittags 12 Uhr.

Ich lese so eben im Journ. des débats einen strengen Tadel der Times über die frankfurter Beschlüsse. Er schließt mit den Worten: l’assemblée de Francfort n’est pas assez forte pour ébranler la paix de l’Europe; mais elle peut très bien ruiner l’union naissante de la Germanie, et, en s’attirant le mépris universel, amener sa dissolution. Nous attendions mieux d’une assemblée composée des meilleurs esprits de l’Allemagne; mais ses premiers pas dans une question pratique de la politique européenne, nous montre combien elle est au-dessous de la tâche qu’elle s’était imposé.