5) Direktorium. Preußen entscheidet auch da, wenn es sich nicht selbst aufgiebt und von Österreich ins Schlepptau nehmen läßt.
Meine Forderung, nicht den Muth aufzugeben, meine Behauptung, daß sich keineswegs immer so viel Stimmen gegen uns vereinigen würden, wie bei dem Welcker’schen und Ausschuß-Antrage, hat sich gestern bestätigt: alle, nicht unbedeutende, Vorschläge unserer Gegner sind mit großen Majoritäten verworfen worden. — Ihre Taktik (um nicht härtere Ausdrücke zu gebrauchen) kam dabei wieder einmal recht ans Tageslicht.
Die Österreicher wünschen Zögerungen, die Linke unbedingte Annahme des Wahlgesetzes. Deshalb schlug diese vor, über dasselbe zu allererst abzustimmen (was verworfen ward), und nahm einen Antrag zurück, welcher durch Abkürzung der Formen zu einer raschen Annahme der Verfassung führen sollte. Ihnen unerwartet nahmen aber wir den Antrag auf, und während Die, welche ihn gemacht und unterschrieben hatten, dagegen stimmten, erhielten wir eine Mehrheit von 101 Stimmen.
Wir sind verloren! rufen die Kleingläubigen und Kleinmüthigen. Ich antworte: wir haben sehr viel gewonnen. Im Junius vorigen Jahres verging kein Tag ohne die ungebührlichsten Schmähungen wider Preußen, und wenn ich behauptete: man müsse, wo nicht zum Angriffe übergehen, doch Nothwehr üben, betrachteten Manche (z. B. der ermordete Auerswald) dies als Thorheit, ja fast als Verrath, welcher die Süddeutschen und Österreicher verletzen dürfte.
Erst bei dem verdammlichen Angriffe Brentano’s auf den Prinzen von Preußen riß unseren Landsleuten der Faden ihrer Schafsgeduld, und sie hörten meine zornigen, den Prinzen und die Prinzessin vertheidigende Worte mit Beifall. Welch ein Unterschied von dem Tage, wo man Hecker über den Prinzen von Preußen stellte, bis zu der Frage: ob der König von Preußen Erbkaiser von Deutschland werden solle!
Ich weiß, daß ich mich unzählige Male wiederhole: allein wenn ich heute mein Herz ausgeschüttet habe, ist es morgen derselben Dinge voll. Man kann aus diesen Variationen des einen politischen Themas nicht heraus, am wenigsten ein Abgeordneter in Frankfurt. Gäbe der Himmel nicht Stärke, die Sorgen und Anstrengungen des Geistes und Leibes müßten einen völlig zu Grunde richten. Es ist indessen auch eine ehrenvolle Aufgabe, im Frieden sein Leben dem Vaterlande zu opfern!
Hundertvierunddreißigster Brief.
Frankfurt a. M., den 24. März 1849.
Der gestrige Tag war sehr mühselig, jedoch nicht ohne Interesse: wir hatten Sitzungen von 9–1 Uhr und von 4–7 Uhr in der Paulskirche, von 2–4 Uhr aber in dem Weidenbusche.
Ich erwähne zuerst zwei unerwartete Zwischenfälle, welche großen Lärm herbeiführten.