In Magdeburg, dieselbe Aufnahme wie in Braunschweig. Fackelzug, Reden, Vivats, Musik u. s. w.

Der Empfang in Potsdam, und besonders das auf dem Bahnhofe für uns veranstaltete Festmahl, hatte doppelte Bedeutung, weil es in der Residenzstadt des Königs dargeboten ward. Einige Abgeordnete hielten gute Reden, die des Bürgermeisters von Potsdam war aber natürlich (in Folge seiner Stellung) behutsam und abgemessen, sodaß ich (trotz meiner Abneigung mich öffentlich auf den Redemoquirstuhl zu setzen) den Hr. Bürgermeister bat, mir später das Wort zu geben.

Ich sagte etwa Folgendes (das Genauere und Umständlichere ist meinem Gedächtnisse nicht mehr gegenwärtig):

Vor vierzig Jahren bin ich mit der Regierung in Potsdam eingezogen und habe als Regierungsrath in dieser Stadt gelebt. Erlauben Sie deshalb einem ehemaligen Miteinwohner, einige Worte an Sie zu richten. — Man sagt (und oft mit Recht) daß alte Personen vergangene Zeiten übermäßig loben, und die Gegenwart übermäßig tadeln; ich lasse mir diese Einseitigkeit nicht zu Schulden kommen. Damals mußten wir schwere Leistungen übernehmen für fremde Zwecke, Steuern ausschreiben und erheben für unsere Feinde, wir waren hingegeben in die Knechtschaft eines ausländischen despotischen Kaisers. Jetzt haben Deutsche einen deutschen Kaiser erwählt, und wir bieten diese freie Gabe dem ersten der deutschen Könige. Diese Wendung der Dinge ist aber so überraschend, dieser Schritt so überaus wichtig und folgenreich, daß unser König mit vollem Rechte und seiner Pflicht gemäß aufs Ernstlichste prüft, was ihm in diesem entscheidenden Augenblicke zu thun obliege?

Aber nicht blos er, sondern wir Alle müssen uns die Verhältnisse klar vor’s Auge stellen, wir müssen zu einer festen Überzeugung kommen; denn des Königs Entschlüsse sind dereinst auch die unseren, und nach den unseren kann und wird auch er mit Sicherheit und im Vertrauen auf unseren festen Beistand, entscheiden, und jedes Bedenkens, jedes Widerspruches Herr werden.

Erlauben Sie, daß ich an einige solcher Bedenken erinnere. Zuvörderst (spricht man) hat sich die Diplomatie gegen alle Neuerungen in Deutschland erklärt. Meine Herren! Diese Diplomatie welche eitel ist auf ihre Phrasendrechselei, welche es für ihr Meisterstück hält, inhaltslose, zweideutige, jede Auslegung erlaubende Noten zu entwerfen, hat niemals die Welt gelenkt und beherrscht. Sie wird am wenigsten in unseren Tagen beruhigen, begeistern, oder entscheiden; — wir können sie füglich zur Seite lassen.

Weit wichtiger ist der zweite Einwand: daß fremde Mächte unsere deutsche Wiedergeburt nicht zugeben würden. Meine Herren! Haben wir uns denn eingemischt, als in Rußland auf Kaiser Alexander nicht Konstantin, sondern Nikolaus folgte, als sich die Franzosen eine neue Verfassung gaben? Wollten aber fremde Mächte, gegen alles Recht, uns in unserer nothwendigen Entwickelung hemmen, so wird ein so großes Volk, wie das deutsche, wissen, was ihm zu thun obliegt.

Ich komme auf Österreich. Wir haben es nicht zurückgestoßen, sondern es hat sich zurückgezogen, oder ganz unannehmbare Vorschläge gemacht. Es protestirt gegen Grundrechte, Volkshaus und Kaiser, es möchte durch ausländische Abgeordnete undeutscher Volksstämme im Staatenhause die Mehrheit gegen Deutschland gewinnen; es will Institutionen begründen, schlechter als der alte Bundestag; es will keinen Bundesstaat, und kann ihn nicht wollen. Die Mehrheit der deutschen Fürsten (welche Manche übereilt und eigennützig mediatisiren wollten) haben ihre Stellung richtig erkannt und zu nothwendigen Maßregeln bereits freundlich die Hand geboten. So bleiben nur die deutschen Könige übrig, welche ihre Widersprüche auf ihre Souverainetät gründen. Woher, meine Herren, stammt denn aber diese Souverainetät?

Als der Kaiser Napoleon eine Fabrik von Königskronen anlegte, warf er einige deutschen Fürsten zu, und stempelte diese hiedurch, unter Spott und Hohn, zu seinen Knechten. Jene angebliche, früher unerhörte Souverainetät, dargeboten oder aufgezwungen von einem fremden Tyrannen, war eine Schmach für die Empfänger, und es ist ein Glück, es ist eine Ehre für sie, wenn sie sich jetzt davon reinigen, und als lebendige Glieder in das erneute, wiedergeborne, einige Deutschland eintreten!

Ich komme auf einen anderen Punkt. Man sagt: die frankfurter Reichsversammlung ist zu alle Dem, was sie gethan hat, nicht berechtigt. Wie, meine Herren, unter allen Völkern sollte allein das deutsche unberechtigt sein sich als ein Ganzes zu fühlen, in Eintracht zu handeln und Das durchzuführen, was für das Innere heilsam und dem Auslande gegenüber schlechterdings nothwendig ist? Sind nicht die Wahlen für die Reichsversammlung mit Beistimmung und nach Anweisung der Regierungen erfolgt? Hat man nicht ausgesprochen, ihre Hauptaufgabe sei, eine neue Verfassung für Deutschland zu entwerfen? Hat man in Zeiten der Bedrängniß nicht gern ihre Aussprüche und ihre Hülfe dankbar anerkannt?