Nachmittags.
Sie kennen bereits die Gründe, wodurch die frankfurter Abgeordneten gezwungen wurden (ihres Auftrages eingedenk), ehrenvolle Einladungen abzulehnen und rasch von Berlin abzureisen.
Ich will von mitwirkenden Kleinigkeiten in diesem großen tragischen Augenblicke nicht sprechen. — „Ihr Abgeordneten,“ sagten Mehre, „seid eitle Thoren, seid Bummler, welche sich einbilden, einen Kaiser machen zu können.“ — Nun, versucht es (ungestützt durch die Reichsversammlung) mit den Bruderkönigen, ob sie einen preußisch-deutschen Kaiser, ein mächtiges Oberhaupt aufrichtig wollen.
Eine preußische Partei ist in diesem Augenblicke in Frankfurt vernichtet, bis zwingende Verhältnisse sie wieder ins Leben rufen und dem liberum veto der Fürsten ein Ende machen.
Fußnote:
[1] Vieles ist in diesem Briefe gestrichen worden, weil es sich jetzt für die Öffentlichkeit nicht eignet.
Hundertachtunddreißigster Brief.
Frankfurt a. M., den 10. April 1849.
Die Erklärung, welche die Abgeordneten dem preußischen Ministerium übergaben, wird gewiß von Vielen als anmaßlich und unverständig bezeichnet werden; dennoch schien sie Allen, nach reiflicher Überlegung, als nothwendig, um nicht in Frankfurt allen Boden zu verlieren, und um übereilten, allzu heftigen Beschlüssen vorzubeugen. Auch kann die preußische Regierung uns der Mißverständnisse beschuldigen und diese Erklärung benutzen, um auf die höchste Beschleunigung einer letzten Entscheidung zu dringen.
Wir hatten unsere Abreise fast verheimlicht, um nicht unterwegs (vielleicht unangenehme) Demonstrationen hervorzurufen; dennoch waren (binnen wenig Stunden) in Halle, Merseburg, Naumburg, Weimar, Erfurt u. s. w. Vorkehrungen zu sehr freundlichem Empfange getroffen. Insbesondere wurden wir in Weimar vom Bahnhofe mit einem Fackelzuge nach der, allgemein erleuchteten, Stadt geleitet. — Der Inhalt aller an uns gehaltenen Reden ging darauf hinaus: daß wir unser löbliches Werk aufs Äußerste vertheidigen sollten, und es (eingetretener Zögerungen und Hindernisse halber) nicht aufgeben dürften.