Immer ertönt das Geschrei: die Frankfurter, die Frankfurter! als wären Lassault, Vogt, Schlöffel, Gagern, Radowitz u. s. w., alle in einer Form gebacken und über einen Leisten geschlagen!
Am 2. April war die Möglichkeit gegeben, eine großartige Wiedergeburt glorreich zu Stande zu bringen; statt dessen führte das sogenannte Gewissen in staatsrechtliche Irrthümer, gleichwie zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges das ebenfalls gepriesene Gewissen und der Blick nach Oben in die landverderblichen, Völker zerstörenden Fragen über Dreieinigkeit, Brotverwandlung, Gnadenwahl u. s. w. Das war das damalige theologische Narrenhaus, zu dem Freiwillige sich so vergnügt drängten, wie Görge in Tieck’s Reisenden. Jetzt geschieht, auf anderem Boden, ganz dasselbe von den Ultras der beiden Parteien.
Nachmittags.
Ich habe trotz Eurer Sorgen und Eures Andringens mich nicht übereilen, sondern bestimmte Ereignisse mit Recht abwarten wollen. Sie sind eingetreten. Die Nationalversammlung hat heute mit 188 gegen 147 Stimmen den anliegenden unverständigen und heillosen Antrag des Hrn. v. Reden angenommen, und unsere gemäßigten Vorschläge sind nicht einmal zur Abstimmung gekommen. An 100 Personen versammelten sich im Casino, um zu berathen, was nun zu thun sei. — Sich beruhigen, abwarten, mit dem abgegangenen Ministerium berathen, eine für Alle passende Erklärung entwerfen u. s. w. u. s. w. Gründe aller Art für, gegen — zu lang zur Entwickelung. Jeder Aufschub erschien mir unklug, unwürdig, rechtswidrig; deshalb habe ich eine einfache, bereits (vor weiteren thörichten Beschlüssen) an Hrn. Präsidenten Simson übergebene Austrittserklärung auch unterschrieben. So seid Ihr aller Sorge überhoben, und Euer Wille geschieht nunmehr zur rechten Zeit.
Hundertfunfzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 11. Mai 1849.
Sie wissen bereits aus den Zeitungen, daß gestern ein Antrag des Hrn. v. Reden von der Reichsversammlung angenommen ward, welcher zu Gewaltschritten berechtigt oder doch verführt, und eine offene Fehde gegen Preußen ankündigt.
Obgleich ich noch immer glaube, daß die scheinbar kluge und gerechte Politik der preußischen Regierung, in Wahrheit Preußen um den höchsten Ruhm gebracht und verhaßt gemacht hat, daß vermeidliche Übel dadurch über ganz Deutschland herbeigezogen wurden; — widerstrebt es doch meinem Gefühle und meinem Gewissen, die Bahn der Gewalt zu betreten, und die Teufel auszutreiben durch Belzebub, den obersten der Teufel. Daher bin ich gestern aus der Reichsversammlung ausgetreten, und mehrere Abgeordnete faßten denselben Beschluß.