Ich trete in diesen Tagen eine kleine Reise an, um mich körperlich und geistig von übergroßen Anstrengungen wo möglich zu erholen; später kehre ich nach Berlin zurück, in der Hoffnung, als ein treu Gläubiger von Ihnen empfangen, und schon dadurch für manches andere Leiden getröstet zu werden.
Nachmittags.
Die Abgeordneten (insbesondere die preußischen) berathen hin und her: ob, wenneher, mit welchen Erklärungen u. s. w. sie ausscheiden wollen. Sie können sich darüber nicht einigen, sondern warten, und warten auf entscheidende Ereignisse.
Wir Ausgeschiedenen glauben noch immer, den rechten Zeitpunkt ergriffen und getroffen zu haben; während Andersgesinnte uns feige, verrätherisch, treulos u. dgl. schelten. Ich will über Die, welche andere Wege als wir einschlagen, den Stab nicht brechen, nicht mit ähnlicher Leidenschaft Vorwürfe zurückgeben; kann mir aber auch Pflicht und Gewissen nicht von Anderen zuschneiden und mich zu Gelübden verführen lassen.
Hunderteinundfunfzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 12. Mai 1849.
Ich wollte Euch heute einen langen, verständigen Brief schreiben, kann aber dazu die Gemüthsruhe nicht finden.
Der erfolglose Zug nach Berlin war für die Reichsversammlung die erste Hinweisung zum Tode; jetzt erneut sich die Krisis in verstärktem Maße; das letzte Hinscheiden wird nicht schmerzlicher, aber noch schmählicher sein.