In einer langweiligen Abendgesellschaft, zischelte gestern ein Herr dem anderen zu: L. Bo. Manifest ist gemäßigt, beruhigend, gemüthlich, weise; — während ein Dritter seinem Nachbar sagte: es ist die dummste und lächerlichste Posse (niaiserie), die mir je vorgekommen! — In dem ersten Entwurfe hat gestanden: er werde nie interveniren und das Heer um 200,000 Mann vermindern. Dies ist aber ausgestrichen worden, weil man den Eindruck fürchtet, den eine solche Erklärung auf das Heer machen könnte; oder weil man noch Eroberungsgelüste hegt; — oder aus beiden Gründen zusammengenommen.
Den 2. December.
Die Maßregeln, welche Hr. General Cavaignac für den schändlich behandelten Papst ergriffen hat, finden fast allgemeinen Beifall, wogegen die Theilnahme für die Italiener täglich abnimmt und ihre politische Fähigkeit und Mäßigung von allen Seiten geläugnet wird. Gestern sagte mir ein hochstehender Beamter: man wird ihrer bald so überdrüßig sein, als der Polen. — Leider hat die Theilnahme für Deutschland in der letzten Zeit ebenfalls so abgenommen, daß man dessen kein Hehl hat. Und zwar aus folgenden Gründen:
1) weil die berliner Reichsversammlung Schlüsse der frankfurter aufgehoben hat, und umgekehrt;
2) weil die berliner Linie alle Einmischung der Reichsgewalt zurückweiset, sobald diese nicht unbedingt Das thun will, was jene verlangt;
3) weil die berliner Zerwürfnisse noch fortdauern und von Frankfurt aus nicht beseitigt sind;
4) weil die frankfurter Versammlung geduldet hat und noch duldet, daß einzelne ihrer Mitglieder willkürlich die Paulskirche verlassen, in verschiedenen Staaten Aufruhr predigen, und an ungebührlichen Kämpfen persönlichen Antheil nehmen. Es sei tadelnswerth, daß man in Frankfurt blos die Form ins Auge fasse, ohne den Inhalt zu berücksichtigen. Oder, wenn man diesen ausnahmsweise auch unterordnen wolle, so hätte man doch nicht Männer, mindestens höchst zweideutiger Wirksamkeit, als Märtyrer dichter Freiheit behandeln und ehren sollen;
5) während man verlange, daß Frankreich die Reichsgewalt und einen Reichsgesandten unbedingt anerkenne, sei man mit Österreich in so unnöthigen Streit gerathen, daß sich dasselbe von Frankfurt lossage und die daselbst gefaßten Beschlüsse weder ausführen wolle, noch ausführen könne. Bevor man sich also an fremde Mächte wende, möge man in der Heimat zur Mäßigung zurückkehren und Einigkeit begründen. Selbst Frankreich sehe ein, daß für Europa’s Wohl ein starkes Österreich nöthig sei, während man in Deutschland unbegreiflicher Weise dessen Zerstückelung und Auflösung wünsche oder anbahne. Österreich werde dazu so wenig die Hand bieten, als Frankreich, wenn man etwa für Elsaß, Bretagne oder Navarra derlei Beschlüsse fassen und aufdrängen wolle.
So in aller Kürze die Urtheile, wobei ich mich noch freuen soll, daß sie mir nicht stärker vorgetragen werden! Einzelne Gesandte sind so mitleidig, mich zu meiner Stellung zu condoliren, und wenn ich mich wahre und vertheidige, machen sie (leider!) meiner Person Komplimente, während sie die sachlichen Darstellungen und Forderungen ablehnen. Einzelne, die in ihren eigensten Interessen verletzt werden, sprechen schon die Hoffnung aus: es werde Alles beim Alten bleiben!
Mittags.