Paris, den 21. December 1848.

So wäre denn L. Bonaparte, nach dem Wunsche einer ungeheueren Mehrheit der Franzosen, zum Präsidenten der Republik erklärt. Er und sein Nebenbuhler (oder Mitbewerber) Cavaignac reichen sich freundschaftlich die Hand und versprechen gleichmäßig für das Wohl ihres Vaterlandes zu wirken! Wer freute sich nicht dieser Aussicht auf Ordnung und Dauer, dieses heiteren Tages unter so vielen trüben, fast hoffnungslosen! Doch könnten Deutungslustige als Weissagung bemerken: daß am Geburtstage der Republik, Regen, Sturm und Schneegestöber herrschten, und am Tage der Verkündigung Bonaparte’s das schöne Wetter in so bittere Kälte umsetzte, daß heute früh unsere Fenster dick zugefroren waren.

Bedenklicher aber ist es allerdings, daß man aus jener Verkündigung das höchste Geheimniß machte und selbst die Abgeordneten nicht wußten, was in der Sitzung geschehen solle. Die am besten Unterrichteten hatten erklärt: mit jedem Tage wachse die Gefahr, und diese Furcht bezog sich weit mehr auf die Imperialisten, als auf die rothen Republikaner. Diese schelten bis jetzt ohne Erfolg, die Legitimisten zeigen sich einstweilen höflich; die Kammer wird täglich matter und wahrscheinlich sich selbst opfern und umbringen, bevor sie alle die versprochenen organischen Gesetze zu Stande bringt.

Gewiß wird die neue Kammer (unter ganz anderen Einflüssen als denen Lamartine’s und Ledru-Rollin’s gewählt) sehr verschiedene Ansichten mitbringen und zu Tage fördern. Daß die Minister ausscheiden mußten, hat keinen Zweifel; dieser Wechsel wird sich aber auch auf viele Präfekten und andere Beamten erstrecken. So nachtheilig derlei Veränderungen in der Regel wirken, so sind sie diesmal doch wohl eher zu rechtfertigen als sonst. Wenigstens klagt man laut über die von der provisorischen Regierung verfügten Anstellungen. Die Minister (obwohl sie kaum das Licht der Welt erblickt haben) werden nach hiesiger Weise schon angegriffen: sie seien nur doublures, remplaçants, dii minorum gentium und dergleichen. Ihre durch Bonaparte ausgesprochene Erklärung lautet indeß verständig, und man sollte ihnen doch Zeit lassen zu handeln, ehe man sie a priori verdammt.

Die Furcht vor einem Kriege scheint mir bei Vielen übertrieben, denn 1) fehlen zureichende Gründe, 2) Geld, 3) Credit, 4) Sicherheit des Obsiegens, 5) würde das gute Verhältniß zu England aufhören und Algier vielleicht verloren gehen, 6) ist Bonaparte kein Feldherr und darf (sofern er an der Verfassung festhält) das Heer nicht anführen und den Krieg nicht allein erklären.

Nur die italienischen Angelegenheiten (für besonnene, vorsichtige Leute ein noli me tangere) könnten zu größeren Zerwürfnissen führen. Doch nimmt die Theilnahme für die Italiener seit den neuen Ereignissen in Florenz, Rom und Turin hier täglich ab, und der neue sardinische Gesandte, Hr. Ricci, hat bis jetzt diese Stimmung keineswegs verbessert. Er nennt (wie mir heute Jemand sagte) die Verbindung von Mailand, Parma, Modena u. s. w. mit Sardinien ein fait accompli; während selbst die englische Politik von der antiösterreichischen Richtung etwas abzulassen und ihre Blicke etwas weiter östlich zu richten scheint.

Gebe der Himmel seinen Segen, daß eine neue Verständigung zwischen Österreich und Deutschland, und die Verfassung für beide Länder baldigst zu Stande kommt. So lange dies nicht geschieht, bleibt der Quasireichsgesandte bei den hiesigen Regierungen eine Null. Ja, während die vorige dem frankfurter Bestreben freundlich gesinnt war und eine engere Verbindung mit Deutschland wünschte, äußern sich Einige, welche sich der neuen Regierung zuwenden, auf eine so geringschätzige und spöttische Weise über Frankfurt, daß ich vor Kurzem in einer Gesellschaft einen solchen Zweikampf anzunehmen und die Ehre Deutschlands zu verfechten genöthigt war. Vergessen Sie, sagte der Wirth dem Haupttadler und Spötter, vergessen Sie nicht, mein Herr, daß die Deutschen zwei Mal in Paris waren!

Den 22. December.

An den Hrn. Präsidenten und Minister
von Gagern.

Alle Deutschen, hochverehrter Herr Präsident, blicken auf Sie mit Liebe und Vertrauen. Möchte Ihnen das schwere Werk gelingen, unser Vaterland zu einigen; denn bevor dies zur Zufriedenheit aller Staaten geschehen ist, fehlt uns daheim Glück und Wohlstand, und im Auslande diejenige Achtung, welche ein großes Volk nicht verscherzen kann, ohne sich selbst mittelbar zu Grunde zu richten. Mir fehlt es nicht an Muth, mein Vaterland hier zu vertheidigen, auch wohl den 60jährigen, so oft mißlungenen politischen Versuchen der Franzosen gegenüber, zu rechtfertigen.