Ich kann nicht beschreiben, welchen tiefen, erschrecklichen Eindruck die wiener Ereignisse nicht blos auf die Deutschen, sondern auch auf alle ordnungsliebenden Franzosen gemacht haben. Sie fürchten ähnliche Begebenheiten in dem unterwühlten, muthlosen Berlin, wo die elendesten Menschen das lauteste Wort führen; sie fürchten mit der Auflösung Deutschlands ein Wiedererstehen der rothen Republik in Frankreich.

Während der traurigen Auflösung des Reichsministeriums wollte man hier kaum an die Möglichkeit und das Dasein einer Reichsgewalt glauben; jetzt blickt man nach Frankfurt wie nach einem Felsen im Meere und erwartet und fordert, daß es die einzelnen Staaten (selbst Preußen) auferwecke, stütze, rette. Den jetzigen Machthabern ist, wenn sie unerschrocken und offensiv gegen alle Verschwörer und Wühler (ohne Ausnahme) verfahren, in diesen Tagen und Wochen die letzte Gelegenheit dargeboten, ihr Vaterland zu erretten und ewigen Ruhm zu erwerben. Möchten sie, um der Menschen, Deutschlands, der Ehre willen, diese Gelegenheit nicht versäumen und, trotz alles dagegen erhobenen Geschreies, überzeugt bleiben, daß Mitwelt und Nachwelt sie für ihr edles Thun segnen wird.

Ich kann hier noch eine Stelle aus Paturot anreihen: „Die Sekten, die Parteien haben jetzt nichts miteinander gemein, als die Wuth zu zerstören. Uneinig sind sie hingegen darüber, was an die Stelle des Zerstörten zu setzen sei, und der höchste Grad des Unsinns ist, diese Unwissenden und Wahnsinnigen götzendienerisch zu ehren.“

Den 14. October.

Hr. Minister Bastide sagte mir soeben: daß er die Gesuche über die Auslieferung der in Straßburg verhafteten Personen unverzüglich in geschäftlicher Weise dem Minister der Justiz übergeben habe und eine baldige Antwort desselben zu erwarten sei. Ich machte nochmals darauf aufmerksam, daß ohne Auslieferung der Prozeß in Frankfurt gar nicht gebührend könne eingeleitet und ihre Verurtheilung herbeigeführt werden.

Zu Folge soeben bekannt gemachter amtlicher Nachrichten befinden sich unter 3376 transportirten Junigefangenen nur

Man behauptet: sie würden so gut behandelt, daß sie meistens gar keine Sehnsucht fühlten, nach Deutschland ausgeliefert zu werden, und daß sie eben deshalb keine Gesuche einreichten.

Der friedliebende, gemäßigte Hr. Minister Bastide bleibt wenigstens vorläufig noch im Amte. Ich erinnerte ihn, daß er mir gesagt: die gegenseitige Accreditirung officieller Gesandten habe keine Schwierigkeit mehr, worauf er erwiderte: „unsere freundliche Gesinnung gegen Deutschland steht fest und wird sich nicht ändern.“ Seit jener Äußerung sind aber in Frankreich und Deutschland so viele Begebenheiten und Veränderungen eingetreten, daß es Bedenken unterliegt, sachliche oder persönliche Neuerungen vorzunehmen. Man muß gegenseitig Geduld haben, sich orientiren, die jetzigen Zustände (welche ganz angenehmen, gefälligen Verkehr erlauben) noch etwas fortdauern lassen, bis sich in Frankreich und Deutschland die Dinge so gestalten, daß sie Dauer versprechen und man dafür die Verantwortlichkeit übernehmen kann. — Ich wiederholte nicht allein die früheren Gründe, sondern hob auch die Nothwendigkeit hervor, die diplomatischen Verhältnisse zur Reichsgewalt um so schneller zu ordnen, da bereits mehre deutsche Staaten ihre Gesandten abriefen und die öffentliche Meinung in Deutschland eine baldige, erwünschte Entscheidung fordere. Hr. Bastide ließ diese Bemerkung gelten, kam aber doch wieder darauf zurück: man möge vor der Hand (in der allseitigen Verwirrung) die Verhältnisse noch einige Zeit ungerügt fortdauern lassen.