4) Berichtigungen finden in Frankfurt am besten Eingang, wenn die Abgeordneten wissen, was ihre Regierungen wünschen und bezwecken. Wir Preußen leben aber in dieser Beziehung in völliger Unwissenheit. Hr. — ist, wie Alle klagen, stumm wie ein Fisch; entweder weil er nichts weiß, oder zum Schweigen angewiesen, oder von Natur dazu geneigt ist. Ändert sich dies nicht binnen 8–14 Tagen, so „wie Schafe gehen, gehen wir zerstreut, ein Jeder seinen eigenen Weg.“ Gott bessere es!
Vierundneunzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 14. Januar 1849.
Gestern war ein sehr schwerer Tag. Die Sitzung dauerte von 9–2 Uhr und von 3–8 Uhr; — bei schrecklicher Hitze. Denn die heiße, trockene Luft strömte durch Gitter aus der unterirdischen Heizung betäubend hervor, und hätte ich nicht das Gitter neben meinem Sitze durch gedruckte Reichstagsweisheit zugedeckt, wäre ich wohl in Ohnmacht gefallen.
Wenigstens krönte der Sieg die lange Anstrengung: das Ministerium Gagern ist erhalten, und die Gefahr, ein Ministerium der Linken zu bekommen, diesmal vorübergegangen. Ja, der Erzherzog hätte schwerlich je ein solches ernannt, und die steigende Macht der einzelnen Regierungen hätte vielleicht den ganzen Reichstag auseinander zu sprengen versucht. Scheinbar für diese ein Gewinn, der aber nach kurzer Frist neue Revolutionen herbeiführen würde.
Zur Sache ward nach dreitägiger Berathung beschlossen: das Ministerium solle mit Österreich über seine Stellung zu Deutschland verhandeln und sich verständigen. Man will, sagten die Gegner, Österreich hinausstoßen, man will Deutschland theilen. Sie nahmen keine Rücksicht darauf, daß unzählige Male erwidert ward: Niemand habe diese Absicht. Auch konnte man mit Recht behaupten und hoffen, freundliche Unterhandlungen, geleitet von verständigen, wohlgesinnten Männern, dürften eher zu einem erwünschten und erfreulichen Ziele führen, als Beschlüsse und Befehle der Paulskirche, auf welche Österreich zeither fast gar keine Rücksicht genommen hat, und in der That nicht füglich nehmen konnte.
Es ist ein fast unlösbares politisches Räthsel: wie Österreich ein Gesammtstaat bleiben, oder werden könne, und doch der deutsche Antheil dem deutschen Bundesstaate einzuverleiben und zu unterwerfen sei. Noch weniger können alle nichtdeutschen Bestandtheile des österreichischen Staates in den deutschen Reichstag aufgenommen und daselbst vertreten werden. Je schwieriger aber die Verhältnisse sind, je weniger sich jene nichtdeutschen Bestandtheile geneigt zeigen, eine Unterwerfung unter das Deutsche zu dulden; um so vorsichtiger und zarter muß man verfahren, um ein Band nicht ganz zu zerreißen, dessen Deutschland, ja ganz Europa bedarf. Nur das wird Lebenskraft und Bestand haben, worüber alle Theile sich freiwillig einigen und vertragen; Wünsche, oder in Befehle verwandelte Wünsche, reichen hier nicht aus.
Morgen kommen wir an die, wo möglich, noch schwierigere Frage: über des Reiches Oberhaupt. Viele wollen, aus verschiedenen Gründen, eine mehrköpfige Spitze. Die Einen nämlich, weil alsdann mehre Fürsten berücksichtigt und für den Plan gewonnen werden; die Anderen, weil sie hoffen, durch eine republikanische Form der höchsten Gewalt, allmälig alle untergeordneten Formen zu beseitigen.
Nur wenn wir einen minder mächtigen Fürsten an die Spitze stellen (sagen wiederum Andere) wird die Freiheit, ja das Dasein der Übrigen, erhalten; — ein Mächtiger, mit Kaiserrechten, wird Alle unterjochen.