Die hiesigen Abgeordneten (von denen sehr viele nicht über die Spaziergänge Frankfurts hinausblicken) glauben noch immer an ihre Allmacht und freuen sich darüber. Auf jede Weise lehnten sie eine Vereinbarung mit den einzelnen Fürsten und Regierungen ab, und beschlossen Dinge, welche nothwendig zum Streite mit Österreich führen mußten. Weil (heißt es) unsere Paragraphen unveränderlich sind, muß Österreich sich unterwerfen, oder draußen bleiben. Umgekehrt will man aber auch Preußen nicht, weil es eine Großmacht ist, während Baiern sich aufbläset, um eine zu werden.

Unterdeß suchen die Österreicher Alles in die Länge zu ziehen, aus natürlichen Gründen und unbekümmert um die übelen Folgen, welche daraus für das übrige Deutschland hervorgehen. Daß die beiden Hauptstaaten, Österreich und Preußen, so erkrankt sind, ist der Hauptgrund aller Verwirrung, und dem guten Willen einiger kleinen Staaten steht offene Fehde gegenüber, wie sie die sächsische radikale Kammer ankündigt.

Es ist eine große Täuschung zu glauben: man könne mit Majoritäten von 10–20 Stimmen ganz Deutschland umgestalten und zu willigem Gehorsam vermögen.

Es ist ferner ein großes Unglück, daß man die Vorzüge der Monarchie immer nur theoretisch und geschichtlich darthun kann, während die Massen allein durch Persönlichkeiten in Bewegung gesetzt und begeistert werden. In der Republik hält sich Jeder für die rechte und größte Person; und so gewinnt sie täglich mehr Boden, bis (wie in Frankreich) die Noth und die Gewalt zur Demuth zwingt.

Mir sagte Jemand: ich habe durch mein Buch über Amerika wesentlich, und mehr als irgend Jemand, die demokratische Richtung gefördert. Soll ich die Wahrheit verhehlen, und habe ich nicht auf jeder Seite gewarnt: man solle, bei ganz anderen Verhältnissen, nicht in dumme Nachäfferei verfallen?

Die Republik kann bei uns versucht werden, aber nicht Dauer gewinnen. Auch ist zwischen Voigt und Washington, Schlöffel und Jefferson einiger Unterschied.

Die Besorgniß: es möchten die Fürsten und Regierungen gegen den frankfurter Verfassungsentwurf erhebliche Schwierigkeiten erheben, hat (wie gesagt) nicht zu einer offenen Mitberathung geführt; wohl aber hat man (meist um sie zu beschwichtigen) in den Verfassungsentwurf ein Kapitel aufgenommen, betitelt: der Reichsrath. Als ich gestern dagegen stimmte, haben Die, welche mich zu ihrer Partei zählen, theils mit Achselzucken ihren Unwillen zu erkennen gegeben, theils mit lauten Vorwürfen. Der Eine sagte: sie haben den Kaiser zu Grunde gerichtet; der Andere, es fehlt an aller Disciplin; der Dritte: was die Linke befürwortet, muß man jedesmal verwerfen u. s. w. — Ich ließ mich nicht verblüffen und blieb die Antworten nicht schuldig.

Jene machen Partei, welch unerlaubtes Beginnen!

Aber unsre Partei, freilich versteht sich von selbst.

Ähnlich sprachen vor 200 Jahren die Katholiken und Protestanten zu ihrem und des Vaterlandes Verderben; auch ihnen standen die Parteiansichten höher, die Wahrheit, Liebe und Versöhnung. Niemals werde ich mich einer solchen Knechtschaft unterwerfen. Und sollte ich (das ginge noch an) wenigstens jurare in verba magistri; — nein, discipulorum in Klubbo! — Gern lasse ich Anderen ihre Freiheit, behaupte aber auch die meine.