Frankfurt a. M., den 7. Februar 1849.

Gestern ist denn, hoffentlich zum letzten Male, der ganze Weichselzopf hundertmal wiederholter Redensarten über Polen, aufgetischt worden. Die Linke hat vortheilhafter und einseitiger für Polen, geringschätziger von Deutschland gesprochen, als selbst unbefangene polnische Schriftsteller, welche wissen, daß die Wiedergeburt eines gesunkenen Volkes nur aus reuiger Selbsterkenntniß und Besserung hervorgehen kann. Jetzt ist die Aufgabe nicht (wie niemals), die Weltgeschichte rückwärts zu schieben, sondern zu thun, was der gegenwärtige Tag verlangt und erlaubt. Er verlangt und erlaubt aber in keiner Weise, daß eine Herrschaft der Polen über Deutsche begründet, und die ganze Ostgränze Deutschlands und Preußens auf eine unverantwortliche Weise preisgegeben werde. Hieran festzuhalten, ist eine unerläßliche Pflicht, deren Erfüllung aber ganz natürlich den Polen mißfällt. Trotz ihres Lobredens polnischer Einrichtungen, zeigt sich doch ein fast allgemeines Streben, nicht unter eine polnische Verwaltung gestellt zu werden: die Güter sinken im Preise, die Juden kündigen ihre Kapitale, und die Beglückten gehen dem Bankerotte entgegen.

Jede Demarkationslinie zwischen Deutsch und Polnisch hat außerordentliche Schwierigkeiten; daß man aber (wie die Linke wollte) hinter zehn Beauftragten den elften herschickt, und große Karten mit großen Kosten in Kupfer stechen läßt, hilft nicht weiter. Deshalb hat die Versammlung gestern, mit großer Stimmenmehrheit, das bestätigt, was sachverständige preußische und Reichscommissarien vorgeschlagen haben.

Die Mangelhaftigkeit jeder Demarkationslinie wird sich, ohne Zweifel, in der weiteren Anwendung herausstellen, und das künstlich Getrennte, in Folge der Natur und der Macht, vielleicht wieder zusammenfließen. Der Antrag eines Theiles der Linken: Unterhandlungen darüber zu eröffnen, daß das ganze Herzogthum Posen mit Deutschland vereinigt werde, ward aber abgelehnt, weil man sich erstens der Gefahr nicht aussetzen soll, von den Polen schnöde zurückgewiesen zu werden, und weil sie zweitens bisher darauf beharren, ganz Posen sei polnisches Land, und ebenso Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Schlesien u. s. w. Bei dieser Weise zu schließen, giebt es keinen begründeten Besitz, und ich mache mich anheischig, zu beweisen: dem Papste gebührten alle, einst zum römischen Reiche gehörigen Länder.

Ich habe dem Könige von Baiern Folgendes geschrieben:

„Schon längst hätte ich Ew. Königl. Maj. schreiben und für das mir Übersandte meinen Dank abstatten sollen; aber ein König hat nicht Muße, die Herzensergießungen jedes Dankbaren und Anhänglichen anzuhören. Jetzt ist mir aber das Herz so voll, daß ich wage, wenigstens Einiges auszusprechen.

Es muß eine neue Verfassung für Deutschland baldigst zu Stande kommen, wenn wir unser Vaterland nicht im Inneren und von Außen den größten Gefahren aussetzen wollen. Geht die hiesige Versammlung auseinander, ohne ein großes, würdiges, zufriedenstellendes Ergebniß, so bleibt eine neue Revolution nicht aus, gewaltsamer noch, als die des vorigen Jahres, und den meisten deutschen Fürsten Verderben bringend.

Die Verfassung darf keinen Einheitsstaat bezwecken, auf Kosten der den Deutschen natürlichen Mannigfaltigkeit, und mit völliger Vernachlässigung alles Dessen, was die Stämme und die Regentenhäuser mit Recht fordern. Andererseits darf aber die zur Unthätigkeit und Nichtigkeit führende Zerstückelung Deutschlands nicht fortdauern; man darf sich nicht (im Widerspruche mit der ganzen, deutschen Geschichte) auf eine unbedingte Souverainetät beziehen, welche Napoleon (timeo Danaos dona ferentes) höhnisch den deutschen Fürsten darbot, um ihre Knechtschaft (sehr ungenügend) zu verdecken.

Wäre Deutschland ganz abgeschieden von der übrigen Welt, so könnte es vielleicht mit den alten Formen fortleben in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit; bei den jetzigen europäischen Staats- und Machtverhältnissen ist dies aber unmöglich, ohne ganz zu Grunde zu gehen.