Ich habe Gelegenheit gehabt, hierüber in Paris die bittersten Beobachtungen und Betrachtungen anzustellen. Wenige edle und gescheite Männer (wie Cavaignac und Bastide) sahen ein, daß, für Frieden und Bildung Europas, ein einiges und starkes Deutschland nöthig sei; — die meisten hingegen stehen noch (trotz der so wesentlich veränderten Verhältnisse) auf dem Standpunkte der feindlichen, betrügerischen Politik Ludwig’s XIV. Sie verspotten die frankfurter Bestrebungen als kindisch, aberwitzig, unsinnig, und ihre Hoffnungen und Weissagungen sind in aller Kürze die folgenden: »Österreich und Preußen trennen sich und gerathen in Eifersucht und Hader. Bei diesem Gleichgewichte liegt Übergewicht und Entscheidung in unserer Hand. Baiern (und hiemit Süddeutschland) ist und bleibt aber, nach wie vor, von uns abhängig. Baiern möchte gar zu gern eine Großmacht sein oder werden; es hat unseren Lockungen weder im spanischen, noch im österreichischen, noch in den Revolutionskriegen widerstanden; es wird auch jetzt von Deutschland, das ihm Entsagungen zumuthet, ablassen, und unseren Höflichkeiten und Versprechungen nicht widerstehen.« — So und noch viel ungebührlicher für Baiern, lautete Das, was ich täglich in Paris hören mußte; — dem ich aber, im Vertrauen auf den deutschen Sinn Ew. Königl. Maj., nachdrücklichst widersprach.

Es kann, es wird, es muß ein Ausweg gefunden werden, der ganz Deutschland einigt, und in der dadurch unermeßlich vermehrten Macht unseres gesammten Vaterlandes wird jeder einzelne Mensch, jeder einzelne Staat, jeder einzelne König zehnfachen Ersatz für etwanigen (meist nur scheinbaren) Verlust finden.

Hier in Frankfurt lebt man fast allgemein der Überzeugung: es hänge jetzt wesentlich von Baiern ab, ein glückliches Ziel für Deutschland zu erreichen. Um der Sache, um Ew. Königl. Maj. Person willen, wünsche ich mit aller Kraft des Geistes und Herzens, daß dieser Glaube, diese Überzeugung die rechte sei, und in wenigen Tagen, von München aus, alle uns umringenden Sorgen verscheucht werden! Mit größter Verehrung und Anhänglichkeit u. s. w.“

— — Gestern wollte ich Rossini’s Barbier von Sevilla für 48 Kreuzer ganz hören, hatte aber an der Hälfte genug. Die Agrémens, Solfeggien, Gurgeleien, Carillons sind in übermäßiger Weise aufgetischt; welch ein Unterschied, wenn ich diesen Figaro mit dem Mozart’s vergleiche. Unglücklicherweise hatte ich Lablache, die Grisi &c., noch im Gedächtniß; sodaß die hiesige Aufführung natürlich sehr dahinter zurückblieb.

In diesem Augenblicke komme ich von dem ersten erfreulichen Spaziergange beim schönsten Wetter zurück. Gingen wir doch so gewiß einem politischen Frühlinge, als einem natürlichen entgegen; wie gern wollte ich noch einigen Schnee und Eis ertragen!

Die berliner Wahlen haben mich betrübt, aber nicht im Mindesten überrascht. Die irrigen Ansichten der Umwälzer, das verkehrte Wahlgesetz, der thörichte Eifer der Reaktionaire, die Zerfallenheit der Conservativen, die Thätigkeit und Einigkeit der Radikalen und die Mißgriffe des Ministeriums mußten in einer Stadt von 400,000 Einwohnern derlei Ergebnisse herbeiführen. Stellen die Landschaften das Gleichgewicht nicht wieder her, so gehen wir traurigen Ereignissen entgegen!

Ich lese mit größtem Erstaunen, was Lord Palmerston im Parlamente über die Verhältnisse Englands zu Österreich gesagt hat. Danach sollte man glauben, es habe die größte Freundschaft gegen seinen ältesten Bundesgenossen gezeigt, ihn gegen ehrgeizige Nachbarn und empörte Unterthanen geschützt, für eilige Herstellung des Friedens gewirkt u. s. w. — Und nun erinnere ich mich, in welcher Verzweiflung Hr. v. T. über Normanby und Palmerston war, und wie er sich Trost bei Bastide holte!! — Bezweckt Palmerston nur, durch diese plötzliche Lobrede sich als Minister zu erhalten? Will er täuschen? Hat er sich von den Phantasien N—s und M—s frei gemacht? Ist er der Italiener überdrüssig? Hat er gründlich eingesehen, er müsse eine andere Richtung einschlagen? Oder sind die Berichte ungenau? — Die Zeit wird Alles aufklären. —

Hundertzehnter Brief.

Frankfurt a. M., den 8. Februar 1849.

Ist es nicht ein Unglück, daß in der Hauptstadt eines Königreiches lauter Männer gewählt werden, die nach ihrer innersten, ja nicht einmal verhehlten Überzeugung den König wegjagen und eine Republik gründen möchten, welche ohne Bürgerkrieg nicht zu Stande kommen und niemals, in unseren Verhältnissen, Ordnung begründen und Dauer gewinnen kann? Und doch wird dieser furchtbare Versuch (womit auch Süddeutschland sehr bedroht ist) nicht ausbleiben, wenn die Regierungen abwechselnd klägliche Schwäche und übertriebene Härte zeigen.