Zwei Anträge kamen gestern Abend im Weidenbusche nicht blos zur Sprache, sondern sie wurden mit Leidenschaft vertheidigt. Ich habe beide mit Wort und Abstimmung bekämpft, und sie sind (wenigstens für diesen Augenblick) verworfen worden.
Erstens nämlich: durch eine heute in der Paulskirche abzugebende Erklärung, den Österreichern (durch deren Verein mit der Linken wir besiegt wurden) alles Recht des Mitstimmens abzusprechen und sie hinauszuweisen. So unnatürlich es auch erscheinen mag, daß sie nach den Erklärungen der österreichischen Regierung noch an unserem Werke mitarbeiten, oder vielmehr es stören wollen, würden wir mit einem solchen Antrage ohne Zweifel in der Minderzahl bleiben, und uns zugemuthet werden, auszuscheiden. Dieser Antrag ward nun:
Zweitens von mehren preußischen Abgeordneten auch gemacht; aber mit den nahe liegenden Gründen bekämpft: daß wir einen theilweisen Verlust dadurch in eine völlige Niederlage verwandeln, leichtsinnig und übereilt die Pflicht gegen Vaterland, Wähler und gegen uns selbst verletzen, die Reichsversammlung auseinandersprengen, und Alles dem Zufalle und der Willkür der Rückläufigen und der Anarchisten preisgeben. Auch wäre der Fall Frankfurts ein Unglück für Preußen; der gestrige Beschluß wird schon zur Entfremdung hinwirken.
Er gewinnt dadurch ein doppeltes Gewicht, daß das ganze Ministerium veranlaßt ward, abzudanken. Weniger deswegen, weil es mit der Minderzahl stimmte, als weil es (bei steigenden inneren und äußeren Gefahren) täglich in den einzelnen Staaten weniger Unterstützung und Gehorsam fand, und weil die Linke und die Österreicher durch stetes Verneinen alle positiven Maßregeln hinderten oder lahm legten. Jetzt sollen die unnatürlich Verbündeten zeigen, ob sie auch gemeinsam bejahen und handeln können. Wenn aber ein aus ihnen gebildetes Ministerium (wie im vorigen Sommer das von Dahlmann und Hermann) auch nicht vor der Geburt stirbt, wird es sich doch auf keinen Fall lange halten können. Überdies stehen die heute in der Paulskirche zur Sprache kommenden Vorschläge Heckscher’s und der mit ihm verbundenen österreichischen Partei, in schroffem Widerspruche mit den Erklärungen der österreichischen Regierung.
Ich glaube, daß sich die öffentliche Meinung in Deutschland nicht überwiegend für jene Coalition aussprechen, und uns nicht deshalb verdammen wird, daß wir ihrer überlegenen Kopfzahl erlagen; — leider aber auch dem Abfalle preußischer Abgeordneten!
Möge dies Ereigniß nur nicht die sogenannten „Stockpreußen“ zu einseitigen und übereilten Beschlüssen verleiten, oder der zugleich bornirten und neidischen Diplomatie das Übergewicht verschaffen. Ich wiederhole (ich weiß nicht zum wie vielsten Male): wenn in Frankfurt gar nichts zu Stande kommt, so werden es Völker und Fürsten gleichmäßig bitter büßen!!
Vor der Hand ist die Frage nach dem Annehmen oder Ablehnen Preußens beseitigt; sie wird aber in dieser oder in einer anderen Form gereifter wiederkehren. Neben der 1 wird sich die 3, die 5, die 7 u. s. w. geltend machen wollen.
Alle kleineren Staaten sind für die Eins und sehr unzufrieden mit dem Ausfalle der gestrigen Abstimmung.
Verständige sich Preußen (wie zur Zeit der Gründung des Zollvereines) mit den ihm günstig Gesinnten; es wird, welche jener Ziffern auch obsiege, überall die Mehrheit der Stimmen in beiden Reichshäusern auf seiner Seite haben; — sobald es die Zeit begreift, und nicht abwechselnd allzu liberal und allzu despotisch ist. Auf diesem Wege büßt man Haltung und Vertrauen und Macht ein, anstatt sie zu begründen und zu verstärken.