Abb. 100. Gewölbeschlußstein mit der Geburt Christi. Im nördlichen Seitenschiff.

Abb. 101. Gewölbeschlußstein mit dem hl. Sebald. In der nördlichen Sakristei.

Die Idee, um den Sarg des hl. Sebald eine Halle zu errichten, hatte bereits der Kirchenpfleger Ruprecht Haller (1474–1489). Er wandte sich an Peter Vischer und dieser lieferte 1488 einen noch rein gotischen, jetzt in Wien befindlichen Entwurf, welcher nur in der Gesamtanlage mit dem später ausgeführten Werke übereinstimmt. Der Plan scheiterte, wahrscheinlich an Geldmangel. Hallers Nachfolger Paul Volckamer (1489–1505) und der rührige Sebald Schreyer, Kirchenmeister von 1482–1503, ließen den Plan nicht fallen. Allein erst unter Anton Tucher und Lazarus Holzschuher im Verein mit Peter Imhoff und Sigmund Fürer kam endlich die Idee zur Verwirklichung. Im Mai 1507 wurde der Beschluß gefaßt, Peter Vischer ging sogleich an die Vorarbeiten. Das Messing wurde von Hans und Andreas Rosner und Sebald Behaim bezogen. Nach Vollendung des Fundamentes kam 1508 die östliche Hälfte der unteren Partie, 1509 die westliche Hälfte zur Ausführung. Die entsprechenden Inschriften lauten: „Ein anfang dvrch mich Peter Vischer 1508“ und „Gemacht von Peter Vischer 1509“. 1512 war die Halle vollendet, wie aus einer Stelle bei Cochläus, Cosmographia des Pomponius Mela, erschienen 1512, hervorgeht, wo bereits von dem ganzen Kapellenbau die Rede ist. Die Ausführung des figürlichen Schmuckes zog sich bis Frühjahr 1519 hin. Allein jetzt fehlten die Geldmittel, um Peter Vischer bezahlen zu können. In kurzer Zeit waren dieselben aufgetrieben, nachdem Anton Tucher am 17. März einen Aufruf an die leistungsfähigen Bürger erlassen hatte (abgedruckt bei M. M. Mayer, a. a. O., S. 31 f.). Am 19. Juli wurde das Grabmal aufgerichtet. Die Inschrift am Rande der Fußplatte lautet: „Petter Vischer pvrger zv Nurmberg machet das werck mit sein sunne. vn wurd folbacht im jar 1519 vnd ist allein Got dem Allmechtigen zu lob vnd Sanct Sebolt dem Himelfürste zv Eren mit hilff frumer leut vn dem allmossen bezalt.“ Das Grabmal hatte ein Gewicht von 157 Ztr. 29 lb. Peter Vischer erhielt als Bezahlung 3145 fl. 16 Schilling, also für den Zentner 20 fl. Von den angesehenen Bürgerfamilien hatten Beiträge geleistet Sebald Schreyer und Gesellschaft 117 fl. 12 Heller, Hans Starck 100 fl., Imhoff und Gesellschaft 60 fl., Sigmund Fürer und Gesellschaft 80 fl., Hans Tucher der Ältere für sich und seine Brüder 20 fl. und für seine Gattin und deren Verwandtschaft 20½ fl. usw. Siehe Baader, Beiträge. 1, 53.

Von den Söhnen Peter Vischers des Älteren war Peter der Jüngere am meisten an der Arbeit beteiligt, der möglicherweise auch der hauptsächlichste Vermittler des oberitalienischen Einflusses war, während man eine Beeinflussung durch Vorbilder der römischen Renaissance wohl auf Peters des jüngeren Bruder, Hermann Vischer, hat zurückführen wollen. Siehe Seeger, Peter Vischer der Jüngere. Leipzig 1897, S. 73–121.

1520 wurden an dem Sarg Reparaturen vorgenommen. 1628 fand eine umfassende Renovierung des ganzen Grabmales statt, welche 644 fl. 19 β 8 Heller kostete. „1523 wurde St. Sebaldsfest das letztemal gehalten, und hat zwar der rat wegen St. Sebaldsfest befohlen, den sarch sambt St. Sebalds gepainen allein zum weihbrunnen aus dem chor, in der kirchen herumb vnd wider in den chor zu tragen vnd die andern ceremonien zur vesper mit dem herab und hinauftragen mit den stadtpfeiffern einzustellen. 1524 hat man wohl St. Sebaldsfest in der kirche gefeiert, aber den sarch nit mer wie zuuor vmbgetragen.“ Die Einstellung der Prozession hing jedenfalls mit der Einführung der Reformation zusammen.

Besondere Beachtung verdienen endlich unter den Werken der Plastik noch die Gewölbeschlußsteine in den Seitenschiffen und im Ostchor. Außer einer Anzahl rein ornamental behandelter Schlußsteine finden wir mehrere, die groteskenartig ein von stilisiertem Blattwerk umrahmtes Menschenantlitz aufweisen; in den westlichen Jochen des südlichen Seitenschiffes ferner eine Darstellung der Kreuzigung mit Maria und Johannes, darüber zwei schwebende Engel und die Symbole der vier Evangelisten, beim Engel des Matthäus auf den Stirnseiten des Schlußsteines noch die Löwin und den Pelikan; sodann im nördlichen Seitenschiff von Osten nach Westen einen bogenschießenden Zentaur, eine reizvolle als Hochrelief behandelte Geburt Christi (Abb. [100]) und den Agnus Dei; im Mittelschiff des Ostchores St. Sebaldus, eine Gruppe von vier Wappen (Nürnberger Jungfrauenadler, Reichsschultheißenwappen, einköpfiger und doppelköpfiger schwarzer Adler) und einen bärtigen Kopf mit Heiligenschein (Gottvater?); im Chorumgang nördlich wiederum einen Agnus Dei, südlich eine Madonna in der Glorie und einen Christuskopf. In der nördlichen Sakristei ist die kleine Statue des hl. Sebaldus als Schlußstein bemerkenswert (Abb. [101]).

Die gesamte Plastik erwies sich gelegentlich der letzten Instandsetzung der Kirche nach Entfernung mehrfach aufgetragener dicker Tünche als polychrom behandelt. Von dieser ursprünglichen Polychromierung waren überall noch so bedeutende Reste erhalten, daß eine Ergänzung derselben, ein Wiederaufleben der Bildwerke in ihren alten Farben möglich wurde. Beim Tympanonrelief des nördlichen Seitenschiffportales wurde aus archäologischen Gründen von jeder Ergänzung der aufgedeckten alten Polychromie abgesehen; bei einzelnen Skulpturen innerhalb der Kirche, insbesondere der Verkündigungsgruppe an der Nordseite des Ostchores und den plastischen Arbeiten des Petrusaltares, erforderten nur unbedeutende Teile eine geringe Ergänzung.

3. Die Gemälde.