6. Altargeräte, Wandteppiche, Paramente.

Die mit Einführung der Reformation veränderten liturgischen Verhältnisse ließen einen großen Teil des alten Kirchenschatzes überflüssig erscheinen. Bei dieser Gelegenheit verschwanden wohl eine Reihe von kostbaren Paramenten und Altargeräten. Denn daß solche in Menge vorhanden waren, wird man bei dem auf allen Gebieten der Kunst und des Kunstgewerbes betätigten Stiftersinn der Nürnberger Geschlechter ohne weiteres annehmen dürfen. Indessen blieb der gesamte Kirchenornat, d. h. die Meßgewänder — also das Überflüssigste bei Ausübung der neugestalteten Gottesdienste — ungeteilt erhalten. Erst 1810 hat in Nürnberg die protestantische Geistlichkeit den aus der vorreformatorischen Zeit herübergenommenen Kirchenornat mit dem schwarzen Talare vertauscht. Eine weitere Reduzierung des Kirchenschatzes wurde schon 1552 vorgenommen; es bezeugt dies ein im Kreisarchiv Nürnberg aufbewahrter „Bericht wegen derer silberner vnd guldener clainodien, so in S. Sebalts, Laurenzen vnd vnser frauen kirchen gewesen a° 1552 verschmelczt vnd dann das gold vnd silber verkauft worden.“ Auch diesmal blieb der Ornat noch verschont. Dagegen wurde zu Ende des 18. Jahrhunderts, sei es aus Mangel an Interesse, sei es aus Geldverlegenheit, gründlich mit dem Kirchenschatz aufgeräumt und nur das Allernotwendigste behalten. Selbst der vorgesetzten Behörde ging dieses Vorgehen zu weit. Das Ende langwieriger, fast fünfmonatlicher Verhandlungen vom 12. Oktober 1797 bis zum 3. Februar 1798, welche die Aufsichtsbehörde mit den für die Veräußerungen verantwortlichen Stellen führte, war eine Rüge, die sich Losungsamt und Rat gefallen lassen mußten. Damals waren auch die Meßgewänder abhanden gekommen.[XXII]

Abb. 129. Silbervergoldeter gotischer Kelch mit durchbrochenen Ornamenten.

Von den auf uns gelangten Altargeräten sind hervorzuheben:

Meßkelch mit Patene (Abb. [129]). Kelchhöhe = 22 cm, Patenendurchmesser = 16·5 cm. Silber, vergoldet. Um 1500. Fuß sechspaßförmig mit abgestuftem Rand. Bis herauf zur Mitte der Cuppa mit durchbrochen gearbeiteten gegossenen Blattwerkornamenten überzogen und mit Steinen besetzt. An den schmalen freigebliebenen Teilen des Halses oberhalb und unterhalb des Nodus gravierte Ornamente. Kostbare Arbeit.

Meßkelch mit Patene. Kelchhöhe = 19·5 cm, Patenendurchmesser = 15·5 cm. Silber, vergoldet. Tuchersche Stiftung vom Jahre 1522. Nodus mit getriebenen und eingravierten Ornamenten. Fuß sechsblattförmig mit Horizontalprofilierung. Am Hals oberhalb und unterhalb des Nodus die Inschriften graviert: JHESUS und MARIA. An der Innenseite des Fußes das Wappen der Tucher mit der Jahrzahl 1522 graviert. Mit dem Beschauzeichen Nürnberg, ohne Marke. Siehe Marc Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen, 2. Aufl. 1911. Nr. 3059 o.

Zwei Kannen. Höhe je 16 cm. Silber, vergoldet. 1643. Datierung an den kleinen Wappen am Ende des Griffes. Auf dem Deckel das Nürnberger und Grundherrsche Wappen. Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg a. a. O. Nr. 3226 a und b.

Zwei Kannen. Höhe je 33 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1658 zum Abendmahlsgebrauch gestiftet von Wolfgang Endter dem älteren. Die betreffende Inschrift hat folgenden Wortlaut: