Gelegentlich des Denkmalpflegetages 1905 war die Sammlung in der Moritzkapelle, die sie ganz ausfüllte, vereinigt und erfreute sich eines regen Interesses der sachverständigen Teilnehmer. Ein erläuterndes Schriftchen dazu verfaßte Dr. E. Reicke, Kustos an der Stadtbibliothek und am städtischen Archiv zu Nürnberg. Druck von J. L. Stich.
Erscheint es durchaus veranlaßt, daß sowohl die alten wie die neuen Teile der beschriebenen Sammlung in der Kirche selbst — zu der sie in engster Beziehung stehen — verbleiben, so muß doch bedauert werden, daß es an einer Pflege der Sammlung, welche vor allem katalogisiert werden sollte, fehlt. Es ist zu fürchten, daß die in der Krypta und Sakristei untergebrachten Gegenstände über kurz oder lang in Verlust geraten oder verkommen.
Außerdem befindet sich im Besitz der Kirche noch eine Büchersammlung von einigen hundert Bänden, die an vier verschiedenen Orten: im Pfarrhaus (der größte und wichtigste Teil der eigentlichen Kirchenbücher), im Muffelschen Altar (auch im wesentlichen Kirchenbücher, darunter auch einige Bände „Verkündigungen“ und „Kindertüchlein“-Bücher), in der nördlichen Sakristei und in einem Schrank des kleinen Museums über dieser Sakristei (Sebald Schreyersche Manuskripte, alte Drucke usw.) aufbewahrt werden.
Die Ehebücher beginnen bei St. Sebald mit dem Jahre 1524, die Taufbücher 1533, die Totenbücher 1547. Die letzteren liegen etwa vom Ende des 17. Jahrhunderts an größtenteils in zwei Niederschriften vor und ihr Inhalt wiederholt sich außerdem noch einmal in den Totenbüchern des Königlichen Kreisarchivs.
Unter den übrigen Handschriften sind von erheblichem historischem Interesse namentlich noch die Rechnungsbücher, die Sebald Schreyer als Kirchenmeister von St. Sebald geführt hat. Zwei derselben betiteln sich: „Einnemen S. Schreyers der zins vnd gült“; das eine reicht von 1482 bis 1491, das andere von 1491 bis 1503. Ein drittes inhaltlich besonders interessantes Manuskript ist überschrieben: „Rechnung einnemens und ausgebens S. Schreyers von 1482 jar untz in das 1494 jar“. Es ist ein Folioband, während jene Schmalfoliobände sind. Alle drei Bücher sind in Schweinsleder gebunden, mit Granatapfelmusterpressung verziert und mit Messingecken und hübschen Messingschließen versehen.
Ein Perpamentmanuskript, das die Legende des hl. Sebald enthält, gepreßter Schweinslederband in 2° mit zwei Ketten, auf der ersten Seite eine gute, doch etwas verdorbene Miniatur (St. Sebald darstellend), Ende des 15. Jahrhunderts, sowie ein Buch mit Gebeten und Hymnen, 1534 geschrieben, Klein-2°, sind von geringerer Bedeutung.
Auch unter den Drucken sind die auf Sebald Schreyer zurückgehenden, d. h. durch eine Stiftung dieses bedeutenden Kunstfreundes an die Kirche gekommenen die wertvollsten. Es sind ausweislich der kalligraphisch eingeschriebenen Widmungen:
„Liber missalis“. Bamberg, Johann Sensenschmidt und Heinrich Petzensteiner, 1490, 2°. Drei auf Pergament gedruckte und mit Initialen (auf Goldgrund) in Handmalerei (Abb. [141], 142) auf das reichste geschmückte vortrefflich erhaltene Exemplare. Gleichzeitige gepreßte braune Ledereinbände mit Messingbeschlägen.