Vorwort.

Im Frühjahr 1897 faßte der Ausschuß des Vereines für Geschichte der Stadt Nürnberg auf Anregung seines Vorstandes den wichtigen Beschluß, aus Anlaß des herannahenden Abschlusses des großen Unternehmens der Wiederinstandsetzung der St. Sebaldkirche in Nürnberg eine umfassende, reich illustrierte Geschichte dieses herrlichen Bauwerkes gleichsam zum Abschluß des Restaurationswerkes herauszugeben. Es sollte den Mitgliedern des Vereines und allen Freunden Nürnberger Kunst und Geschichte in Wort und Bild die Entstehung und Entwicklung des ehrwürdigen Gotteshauses mit seinen zahllosen Kunstschätzen eingehend geschildert und ein zuverlässiger Bericht über seine Wiedererneuerung durch die lebende Generation gegeben werden, so wie zehn Jahre vorher der Verein aus Anlaß des teilweisen Umbaues und der Erweiterung des Nürnberger Rathauses durch den unvergeßlichen August v. Essenwein und seinen getreuen Mitarbeiter, den städtischen Architekten und jetzigen Baurat Heinrich Wallraff, eine reich illustrierte, vom Stadtarchivar Ernst Mummenhoff verfaßte Geschichte des wichtigsten Profanbauwerkes der Stadt, des Rathauses, mit finanzieller Unterstützung der städtischen Kollegien herausgegeben hatte. Gleichwie diese schöne Publikation dem Verein allenthalben Ehre und Anerkennung eingetragen hatte, hoffte der Ausschuß sich ein Verdienst zu erwerben, wenn er auch das große Unternehmen der Restauration der St. Sebaldkirche nicht unbeachtet vorübergehen lassen, sondern nach besten Kräften zum Ruhme der um sie am meisten verdienten Männer, des vortrefflichen Kirchenrates Friedrich Michahelles und der Restauratoren Prof. Georg v. Hauberrisser und Professor Joseph Schmitz, beitragen würde. In der Tat fand auch dieser Gedanke überall Anklang. Aber niemand ahnte damals, welchen Schwierigkeiten seine Durchführung begegnen und wie viel Zeit vergehen würde, bis diese Geschichte der St. Sebaldkirche das Licht der Welt erblicken würde.

Wohl wissend, daß seine eigenen Kräfte zur Durchführung eines so großen Unternehmens nicht ausreichen würden, bemühte sich der Verein vor allem, sich auch in diesem Falle des Einverständnisses und der materiellen Unterstützung der städtischen Kollegien zu versichern. Bereitwillig und in dankenswerter Liberalität wurde der Bitte des Vereines von seiten der städtischen Kollegien entsprochen. Im Oktober 1897 wurde dem Vorstand die erfreuliche Mitteilung, daß die städtischen Kollegien beschlossen hätten, dem Verein zur Herausgabe eines illustrierten Prachtwerks über die St. Sebaldkirche für jedes der Jahre 1898, 1899 und 1900 einen Zuschuß von 1500 Mark aus der Stadtkasse unter bestimmten Voraussetzungen zu bewilligen.

Eine zur Bearbeitung des Textes geeignete wissenschaftliche Kraft wurde in der Person eines jüngeren Kunsthistorikers gewonnen, der, frei über seine Zeit verfügend, seine ganze Kraft der Aufgabe widmen konnte, des Dr. Friedrich Hoffmann in München. Nach dem mit ihm abgeschlossenen Vertrage sollte das Werk nach drei Jahren im Manuskript druckfertig vorliegen.

Allein durch eine ganze Reihe widriger, hier nicht näher zu erörternder Umstände wurde die programmäßige Fertigstellung des Werkes um Jahre verzögert. Besonders hinderlich stand der Förderung der Arbeit entgegen, daß Dr. Hoffmann nicht, wie man doch hätte erwarten müssen, seinen Wohnsitz in Nürnberg nahm, wo er in beständiger Fühlung mit dem Bauwerke selbst und dem bauleitendem Architekten sowie unter der Aufsicht der niedergesetzten Kommission viel eher seine Aufgabe hätte bewältigen können, sondern in München blieb. Ein weiteres Haupthindernis eines rüstigen Fortschreitens der Arbeit war die Annahme einer Assistentenstelle am bayrischen Nationalmuseum durch Dr. Hoffmann im Jahre 1898, infolgedessen er nur einen verhältnismäßig geringen Teil seiner Zeit und Kraft auf die übernommene umfassende Aufgabe verwenden konnte.

Da die Fortführung der Arbeit nach und nach immer mehr ins Stocken geriet und schließlich sogar das Erscheinen des Werkes in Frage gestellt wurde, sah sich der Vereinsausschuß gezwungen, von dem ihm vertraglich eingeräumten Rechte, die Vollendung des Werkes selbst in die Hand zu nehmen, Gebrauch zu machen, und übertrug im September 1909 die Durchführung der erforderlichen Abänderungs- und Ergänzungsarbeiten einer aus den Herren Direktor Dr. Hampe, Archivrat Dr. Mummenhoff und Professor Schmitz bestehenden Subkommission, die schon seither die Arbeit vom kunsthistorischen, historischen und architektonischen Standpunkte aus einer eingehenden und sorgfältigen Prüfung unterzogen hatte.

Das Werk wurde jetzt nochmals durchgeprüft, und es war dann keine geringe Arbeit und Mühe, welche die Abänderung des Textes, die Ausmerzung der Irrtümer und Mängel, die teilweise völlige Umgestaltung ganzer Partien und die mannigfachen Ergänzungen, zumal des Inventars, welch letztere schwierige und zeitraubende Arbeit die Herren Direktor Hampe und Professor Schmitz ausschließlich auf sich nahmen, endlich die gänzliche Umarbeitung des Urkunden- und Regestenteiles erforderten. Gern wären die Überarbeiter in den Änderungen und Ergänzungen noch weiter gegangen, aber sie hielten sich dazu nur im äußersten Notfall für berechtigt und wollten noch tiefere Eingriffe in die Arbeit des eigentlichen Verfassers vermeiden. Vor allem auch mußten sie auf die Beibringung weiteren Quellenmateriales verzichten, und so wird sich denn in Zukunft noch so manches zur Geschichte der Sebalduskirche beischaffen lassen, das der Verfasser nicht gebracht hat. Aber alles zu geben, was oft in ganz versteckten Quellen ruht, ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit, zumal bei einem Werke, das auf Jahrhunderte zurückgeht.

Trotz so vieler Hindernisse, die sich dem Werke in den Weg stellten, und trotz aller Widrigkeiten, die oft alle Hoffnung auf das endliche Zustandekommen schwinden ließen, liegt es nun doch, wenn auch erst nach jahrelanger Verzögerung, in einer Gestalt vor, die hohen Anforderungen genügen dürfte. Auch hier darf man wohl sagen, wenn man das Werk und seine schöne, ja glänzende Ausstattung durch die bewährte Firma Gerlach & Wiedling ins Auge faßt: Ende gut, alles gut!

Freuen wir uns deshalb, daß es dem opferwilligen Zusammenwirken einer Reihe von berufenen Kräften endlich gelungen ist, ein der herrlichen St. Sebaldkirche würdiges Buch zustande zu bringen.