Ansicht eines Ostchorjoches.

Tafel IX.

Seitenansicht und Schnitt eines Strebepfeilers am Ostchor.

Die Profilierung der Fensterleibungen ist ähnlich der an der Innenwand und wird hauptsächlich durch eine größere Hohlkehle bestimmt. Das Maßwerk der Fenster hat noch keine komplizierten Formen und erinnert meist an die Zeit der Hochgotik. Die vier Teile, in welche die Fenster durch einen stärkeren Mittel- und zwei schwächere Seitenpfosten geteilt sind, schließen einzeln mit Spitzbögen ab, welche wiederum paarweise zusammengefaßt sind, und die Füllung in diesen beiden Spitzbögen bilden gewöhnlich Dreipässe. Nur in den Fenstern des ehemals romanischen Querhauses, die durch Verlängerung der dort schon bestandenen gotischen Fenster entstanden sind, ist die Bildung der Maßwerkfüllung eine freiere, weniger zum Gesamtorganismus passende, es tritt sogar die Fischblase auf.

Über den Fenstern ragen Wimperge, in Kreuzblumen endigend und mit Laubbossen auf den Kanten, empor; sie sitzen seitlich auf hohen, bis zur Fensterbank hinabreichenden Rundstäben auf und überschneiden oben die zinnenbekrönte, an ihrem Fuß mit Ranken und Blattwerkfries geschmückte Galerie. Ein weiteres, die Gesamtarchitektur belebendes Moment sind die mit Blendwerk, Krabben und Kreuzblumen ausgestatteten Fialen auf den Strebepfeilern.

So ist es gelungen, durch Gliederung im einzelnen wie durch reiche, aber immer maßvolle Entfaltung ornamentalen Schmuckes den Mangel an Gliederung des Ganzen zu ersetzen. Und außerdem ist mit dem von der Chorgalerie, den Fensterwimpergen und Fialen gebildeten prächtigen Kranz für den Beschauer ein gut Teil des gewaltigen Daches verdeckt.

Die Westwand des romanischen Querhauses, welche schon wegen der höheren Einwölbung des neuen Ostchores erhöht werden mußte, ist bis über den First des romanischen Mittelschiffes weitergeführt, jedoch nicht bis zum First des Chordaches, sondern, vielleicht um weniger Widerstand gegen Wind und Wetter zu bieten, vielleicht auch nur aus Sparsamkeitsrücksichten, abgewalmt.[35]