Das Steinmaterial des alten Baues besteht beim romanischen Teil aus grauem, bei den gotischen Bauteilen aus rötlichem Sandstein der Nürnberger Umgebung von ziemlich grobem Korn. Die Beständigkeit dieses Materials insbesondere bei Verwendung für dekorative Glieder und figürliche Darstellungen ist eine sehr geringe, dazu kommen die schädlichen Einwirkungen des Rußes der modernen Fabrikstadt, die den Fortschritt der Verwitterung bei einem schon angegriffenen Stein außerordentlich beschleunigen.

Um derartigen Übelständen für die Zukunft vorzubeugen, wurde bei allen Ergänzungen und Kopien außer verschiedenen oberfränkischen Hartsandsteinen meistens der sehr harte wetterbeständige und quarzitreiche Stein aus den Wendelsteiner Brüchen bei Nürnberg verwendet.

Abb. 32. Westansicht, mit den Gerüstbauten.

An der Außenarchitektur hatten die späteren Jahrhunderte keine wesentlichen Neuerungen hinzugefügt. Anders verhielt es sich bei der Innenarchitektur. Fast jede Epoche hatte ihre Spuren hinterlassen, bestehend in einer oder mehrmaligen Übertünchung der Gewölbe und Wände. Es war sofort klar, daß der künstlerische Wert dieser Ausweißungen nicht auf der gleichen Stufe mit der vornehmen Wirkung des ursprünglichen Zustandes stehen konnte. Untersuchungen und Proben bestätigten diese Anschauung. Hiemit war die Grundlage für die Innenrestaurierung gegeben: auch im Innern war dem Bauwerk sein ehemaliges, dann durch unverständige Behandlung beeinträchtigtes Aussehen wiederzugeben. Nur wurde der Zweck durch gerade entgegengesetzte Maßnahmen erreicht: dort hieß es aufbauen, hier abnehmen.

Nach Entfernung des weißen Kleides der dicken Tünchkruste kamen eine, wenn auch nicht reiche, so doch überaus geschickt verteilte Polychromie sowohl beim romanischen Bau wie beim Ostchor und mehrere wertvolle Wandmalereien des 14. und 15. Jahrhunderts zum Vorschein. Im Westchor wurden zwei romanische Doppelfenster, welche einst die Turmhallen vom Chor aus beleuchteten, freigelegt. Zu den erfreulichen Entdeckungen kam aber zum Schluß eine höchst unangenehme Überraschung, welche die Innenrestaurierung sehr in die Länge zog. Gelegentlich der Beseitigung der Farbschichten an den beiden dem Ostchor zunächst stehenden Pfeilern des Langhauses, welche zu den ehemaligen Vierungspfeilern zählten, mußte die schlechte Beschaffenheit dieser Hauptstützen und somit ihre geringe Haltbarkeit festgestellt werden. Bei der außerordentlichen Belastung dieser konstruktiven Glieder war ihre Auswechslung unter Anwendung äußerster Vorsicht mit den größten Schwierigkeiten verbunden. Als nicht minder bedeutend ergaben sich die konstruktiven Arbeiten, welche an der unteren Ostwand des nördlichen Turmes, in dessen Mauern ursprünglich Treppenläufe angebracht waren, erforderlich wurden.

Mit der Aufdeckung der alten Polychromie und der Wandmalereien allein war die Aufgabe der Innenrestaurierung noch nicht gelöst. Es handelte sich um einen seinem Zweck nicht entfremdeten Bau, um eine noch als Gotteshaus dienende Kirche, und daraus ergab sich, daß das Innere, d. h. die bloßgelegten Malereien, Fenster usw. nicht nur durch Konservierung in einen haltbaren, sondern auch in einen das Auge der Kirchenbesucher nicht verletzenden Zustand versetzt werde.

Die erforderlichen Instandsetzungen wurden jedoch mit der äußersten Zurückhaltung und der größten Vorsicht vorgenommen. Bei alten Inventarstücken wurde unterschieden, ob es sich um Ersatz abgebrochener kleiner Details oder um Hinzufügung von selbständigen Teilen, z. B. von Türflügeln u. dgl. handelte. Im ersteren Falle wurde von Ergänzungen oft ganz abgesehen. Waren die Defekte gar zu störend und war die Ergänzung nach Vorbildern im Charakter des Originales einwandfrei herzustellen, so wurde sie dementsprechend vorgenommen. Bei selbständigen neuen Teilen aber, wie z. B. Türflügeln an Wandnischen oder vor Gemälden, Stuhlwerk, Anlage eines Wandbrunnens, Vertäfelungen der Sakristei, wurden primitive Formen ohne Zugehörigkeit zu einem besonderen Stile angewendet, die sich in die Umgebung ohne Mißklang einfügten, indem sie sich dem wertvollen historischen Bestande bescheiden unterordneten.

Die Erhaltung des gegenwärtigen Gesamtbestandes galt als Grundprinzip. Nicht das Verhältnis eines Gegenstandes in seinem Stilcharakter zur Wirkung der nächsten architektonischen Umgebung, auch nicht der Umstand, ob der Gegenstand heute noch den ihm zukommenden Zweck erfüllt, war für seine Erhaltung maßgebend, sondern einzig und allein die Tatsache seines Vorhandenseins. Bei den scheinbar unbedeutenden Gegenständen fiel das kirchen- und lokalgeschichtliche Interesse ins Gewicht. Eine besondere Beachtung wurde auch dem Standort der Gegenstände zugewendet. Gerade bei denjenigen Inventarstücken, welche ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet sind, ist die Beibehaltung des alten Standortes von großer Wichtigkeit. Die historische Beziehung zur Kirche, welche meist nur aus dem Standorte zu erkennen ist, erhebt den Gegenstand über die Bedeutung eines bloßen Museumsobjektes.