Abb. 35. Neuer Verkündigungsengel am Ostchor.
1892. Die Wiederherstellungsarbeiten an den Ostchorpfeilern wurden in diesem Jahre in der Weise fortgeführt, daß zu gleicher Zeit an den Pfeilern selbst die fertigen Werkstücke unter jedesmaliger Verwendung der Stützkonstruktion versetzt und in der Hütte für die weiteren Pfeiler die neuen Werksteine bearbeitet wurden.
Daneben wurden auch die vielen außerordentlich reich durchgebildeten Baldachine, von welchen jeder Pfeiler sieben Stück aufweist, und die nachträglich leicht versetzt werden konnten, in Arbeit genommen. Als Steinmaterial kam hiezu der in Obernkirchen bei Bückeburg gebrochene harte und wetterbeständige, dabei ziemlich feinkörnige Sandstein zur Verwendung.
An Statuen fanden sich unter den Baldachinen im ganzen nur vier vor. Nämlich auf der Vorderseite zwei Propheten, die stark verwittert waren und nach erfolgter Ergänzung kopiert wurden, sowie im Osten Maria und Sebaldus an einem Joche, welches ursprünglich durch eine vor dem Fenster angebrachte plastische Darstellung ausgezeichnet gewesen zu sein scheint. Diese beiden Statuen, welche in Anbetracht ihres guten Erhaltungszustandes unverändert blieben, zeigen farbigen Hintergrund mit aufgemalten Engelfiguren. Für die unter den übrigen Baldachinen fehlenden Statuen fertigte Stadtpfarrer Michahelles ein Verzeichnis an, nach welchem in der unteren Reihe die Hauptpersonen des Alten und in der oberen Reihe die des Neuen Testamentes zur Darstellung kommen sollten. Als im November der Kultusminister die Kirche wieder besuchte, waren auf der Nordseite die Auswechslungsarbeiten an sechs Pfeilern bereits vorgenommen, jedoch fehlten noch die neuen Baldachine, die sehr viele Arbeit erforderten.
Da eine Reihe von Familien und Privatpersonen die Stiftung je eines Pfeilers übernahm, so wurde an jedem Pfeiler eine diesbezügliche Inschrift oder ein Wappen angebracht, während die wertvollsten alten Steinreste in der Westkrypta zu einem Lapidarium vereinigt wurden (Abb. [139]).
Beim Abbruch eines der großen Baldachine auf der Nordostseite fand sich eingeklemmt in der zwischen Baldachin und Wand befindlichen Spalte ein kleines Erzgußwappen mit Steinmetzzeichen (Abb. [26]). Allem Anscheine nach ist das Wappen durch Zufall in diese Vertiefung hineingefallen, nachdem es zuvor an der 1561 abgebrochenen Galerie befestigt war. Bei dem dargestellten Steinmetzzeichen kann es sich nur um den Meister des Ostchores handeln.
1893. Auch das Jahr 1893 wurde durch die umfangreichen Arbeiten an den Ostchorstrebepfeilern ausgefüllt, ohne daß sie ganz beendigt werden konnten. Doch ging alles in bester Weise ohne Störung und Unfall von statten.
Zu den Statuen an den Pfeilern fertigte, nachdem Stadtpfarrer Michahelles sein Verzeichnis auf eine Anregung des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg einer Änderung unterzogen hatte, Bildhauer Leistner die Modelle. Die Ausführung geschah in der Hütte in Kelheimer und Offenstettener Kalkstein (Abb. [35]).