Abb. 34. Ostchorpartie nach der Restaurierung.
Da hierdurch der Strebepfeiler, der die Gewölbe stützen sollte, jeden Halt verloren haben würde, so war die Anbringung einer eisernen Stützkonstruktion erforderlich, zu welcher Direktor Rieppel einen Entwurf herstellte. Derselbe gedachte zuerst mit einer 10 m hohen eisernen Stütze vom Straßenniveau aus den oberen Pfeiler abzufangen, hielt aber dann den Gedanken Professor Hauberrissers fest, den oberen Pfeiler auf den unteren mittels einer Eisenkonstruktion abzustützen, welche jedesmal nur die Höhe des erforderlichen Ausbruches hatte.
Die Hütte hatte schon im Anfang des Jahres mit der Bearbeitung der Werkstücke zu den Pfeilern, und zwar zunächst der großen Kreuzblumen und Riesen begonnen.
Im Oktober waren alle Vorbereitungen so weit gediehen, daß auf der Nordseite die Abstützung zum ersten Male aufgestellt werden und die Auswechslung vor sich gehen konnte. Im Inneren sollte ein Zeiger, der sich mittels Hebelübersetzung einer Millimeterteilung entlang bewegte, jede kleinste Veränderung des Mauerwerkes anzeigen.
Mit Steinmetzmeister Göschel war schon im Jahre 1890 ein Vertrag über die Wiederherstellung eines Pfeilers abgeschlossen, welcher im April auf vier weitere und im Oktober auf sämtliche Pfeiler ausgedehnt wurde.
Die vielen Abweichungen in den architektonischen Formen sowohl wie in den Maßverhältnissen der Strebepfeiler wurden bei der Erneuerung sorfältig festgehalten, wobei auf charakteristische Wiedergabe der Profilierungen wie der Ornamentation großer Wert gelegt wurde.
Professor Hauberrisser lud den Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg im April zu einer Besichtigung der Arbeiten in der Bauhütte ein, und im August stattete die in Nürnberg tagende Hauptversammlung der deutschen Architekten der Sebalduskirche einen Besuch ab.