Im Februar konnten schon an den ersten Jochen die neuhergestellten Arbeiten von den Gerüsten befreit werden. Der fahrbare Aufzugskran wurde jeweilig zu den neuen Arbeitstellen weiter geschoben.
Die Rinnenanlage hinter der Galerie war in solidester Weise unter Verwendung von starkem Kupfer herzustellen und wurde zum Schutze mit Holzrosten belegt. Auch die Wasserspeier erhielten eine Kupferausfütterung.
Entsprechend den äußeren Arbeiten mußte auch der Betrieb in der Hütte gefördert werden. Dazu erwies sich eine Erweiterung der Bauhütte als erforderlich, die als ein seitlicher Anbau an der Ostseite der Bauhütte zur Ausführung kam, so daß etwa 46 Steinmetzen untergebracht werden konnten.
Da unter den bezogenen Werksteinen viele vorhandener Stiche und gröberer Toneinsprengungen wegen ausgeschossen werden mußten, wurden verschiedene Versuche mit neuen Bezugsquellen aus der Gegend von Aschaffenburg und von Lahr in Baden, und zwar mit wechselndem Erfolg gemacht. Am besten bewährte sich immer der Wendelsteiner Quarzit, dessen Bearbeitung jedoch wegen seiner Härte große Kosten verursachte.
Im Juni war die Chorgalerie schon zur Hälfte fertiggestellt. Professor Hauberrisser war wiederholt zur Besprechung aller baulichen Dispositionen anwesend; auch fanden zu gleichem Zwecke verschiedene Sitzungen des Bauausschusses statt. Im November besichtigte Kultusminister von Müller die Bauarbeiten. Am 4. Dezember konnte in feierlicher Weise die Aufsetzung des letzten Steines der Galerie beim westlichen Pfeiler an der Südseite stattfinden. Stadtpfarrer Lotholz legte als Vorstand der Kirchenverwaltung bei dieser Gelegenheit eine Urkunde über dem nunmehr vollendeten ersten Bauabschnitt der Wiederherstellung in den Schlußstein ein.
Die Bauleitung, welche mit ihren zeichnerischen und Projektierungsarbeiten naturgemäß den Ausführungsarbeiten stets voraus sein mußte, hatte unterdessen die Aufnahmen der Strebepfeiler am Ostchor hergestellt und für diese Abwechslungsarbeiten die erforderlichen Vorarbeiten eingeleitet.
Zimmermeister Steger, der die Gerüstarbeiten bisher ausgeführt hatte, war in diesem Jahre gestorben. An seiner Stelle wurde Zimmermeister F. Birkmann mit den weiteren Zimmerarbeiten beauftragt.
1891. Bezüglich der Wiederherstellung der Strebepfeiler am Ostchor war ursprünglich geplant, nur einzelne schadhafte Stellen durch Einsetzen von mehr oder weniger großen „Vierungen“ auszubessern. Es stellte sich jedoch bei näherer Untersuchung eine so starke Verwitterung aller Profilierungen und Skulpturen heraus, daß bei jedem Pfeiler ungefähr fünfzig Werkstücke ganz neu ersetzt werden mußten (Abb. [34]), wobei jedesmal 2½–3 m hohe Teile des Pfeilers bis in die eigentliche Umfassungsmauer hinein auszubrechen waren.