Am Schreyerschen Grabmale (Abb. [69]) wurden im Herbst zwei neue Baldachine an Stelle der alten verwitterten eingesetzt; auch die Holzdecke dieses Vorbaues und das Kupferdach wurden neu hergestellt. Im April nahm der Kultusminister von den Arbeiten Einsicht. Um einen Überblick über die Art der Wiederherstellung in späterer Zeit zu ermöglichen, richtete die Bauleitung im Laufe des Jahres in dem unbenutzten Raume oberhalb der nördlichen Sakristei (der alten Schatzkammer) eine Sammlung von Modellen, Zeichnungen und Photographien ein, welche eine Ergänzung der bereits im Lapidarium bestehenden Sammlung bildet.
1895. Nachdem die Hütte im Winter 1894/1895 einen großen Teil der für den Ausbau des nördlichen Seitenschiffes nötigen Werkstücke hergestellt hatte, konnte im Frühjahr mit dem Versetzen, und zwar bei der Galerie zunächst dem Brauttor, begonnen werden (Abb. [39]).
Von Joch zu Joch wurden Galerie und Pfeiler neu aufgestellt und jedesmal dahinter der neue Dachstuhl aufgerichtet. Bei dem letzteren war eine etwas umständliche Konstruktion erforderlich, weil trotz des nunmehr viel niedrigeren Daches unterhalb desselben der Durchgang vom Turm zur Sängerbühne erhalten werden mußte.
Mit dem Niedrigerlegen des Daches wurden endlich die romanischen Fenster des Mittelschiffes wieder frei, wodurch das letztere volles Licht erhielt und die schöne romanische Architektur im Innern zur Geltung gelangte.
Ein kleiner Aufenthalt ergab sich im Juli bei der Anschreibtür, weil die dort erforderliche besonders eingreifende Abbrucharbeit der beiden Portalpfeiler große Vorsicht bezüglich des Gewölbeschubes erheischte. Es wurde aller Gefahr durch eine vom Straßenboden aus aufgestellte eiserne Stützkonstruktion vorgebeugt.
Über die ehemalige Form der Galerie dieses Portales hatten glücklicherweise ein erhaltenes Gesimsstück und der Maßwerkanschluß Aufklärung gegeben.
Bis zum Eintritt des Winters wurden von den fünf Jochen vier fertiggestellt. Zugleich mit den Arbeiten an der Galerie waren auch die Maßwerke der Fenster (Abb. [21]) einer gründlichen Ausbesserung zu unterziehen. Die Gerüste konnten nun bis zur halben Fensterhöhe fallen.
Der Deckung des Daches wurde besondere Sorgfalt zugewendet. Die so charakteristische Ziegeldeckung sollte beibehalten werden, aber bei der flachen Neigung erwies sich noch ein besonderer Schutz gegen eindringendes Wasser notwendig. Daher wurde das Dach zuerst mit verbleitem Eisenblech und hierauf erst mit Ziegeln gedeckt. Die Rinne wurde ähnlich wie am Ostchor gestaltet und aus Kupfer hergestellt.
Die Anfertigung der am nördlichen Seitenschiff zu erneuernden Statuen, welche nach den alten verwitterten und ergänzten Vorbildern genau kopiert wurden, übertrug der Bauausschuß zum Teil dem Bildhauer Leistner, zum Teil dem Steinmetzmeister Göschel. Der Kultusminister besuchte die Kirche im Januar.
Am 18. Mai erhielt sie den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern und am 30. Juli der beiden ältesten Söhne des Deutschen Kaisers.