Unterdessen hatte sich die Bauleitung mit den Plänen befaßt, welche zur Umgestaltung, beziehungsweise zum Aufbau des Treppentürmchens am nördlichen Turm erforderlich waren. Daneben wurde die südliche Sakristei in ihrem äußeren Mauerwerk restauriert, der Kamin derselben verändert und das Dach niedriger gelegt.
In den Bauausschußsitzungen war wiederholt die Frage der Beheizung der Kirche, zunächst allerdings ohne Ergebnis, besprochen worden.
Als die Versetzarbeiten des Frostes wegen eingestellt werden mußten, war die Hütte in die Winterarbeit — Wiederherstellung des letzten Joches des nördlichen Seitenschiffes, der Wimpergkränze, der beiden Pfeiler dortselbst und der Baldachine und Konsolen des Seitenschiffes — eingetreten. Auch für den nördlichen Turm wurden schon eine Anzahl Steine bearbeitet. Für das nächste Jahr wurden außer der Beendigung des nördlichen Seitenschiffes die Arbeiten am nördlichen Turm (Abb. [28]) und am südlichen Westgiebel in Aussicht genommen.
1896. Da in diesem Jahre in Nürnberg die zweite bayerische Landesausstellung stattfand, wurden die Arbeiten am westlichen Joch sowie die Auswechslung von zwei Mittelteilen der Strebepfeiler zwischen Brauttor und Anschreibtür und schließlich die Wiederherstellung der Galerie über der letzteren so beschleunigt, daß beim Besuche des Prinzregenten Luitpold am 13. Mai das nördliche Seitenschiff bis auf den Magistratschor und das Treppentürmchen am nördlichen Turm von Gerüsten ganz befreit war.
Nun wurde zunächst das Treppentürmchen ausgebessert und um ein Stockwerk erhöht zur Ermöglichung eines Austrittes in die Dachrinne des Seitenschiffes. An Stelle der alten Backsteinpyramide trat ein steinerner Dachhelm mit Kreuzblume (Abb. [39]).
Zugleich wurde im nördlichen Turm der Zugang zum Seitenschiff durch Anlage neuer Treppen und Fußböden verbessert und der Gang zur Sängerbühne durch eine Rabitzwand gegen den Dachraum abgeschlossen. Die Triforien erhielten neue Zugangstreppen.
Unterdessen hatte sich herausgestellt, da die Gerüste am Treppentürmchen eine genaue Untersuchung ermöglicht hatten, daß der Turm zu beiden Seiten seiner nordwestlichen Strebepfeiler 4–6 m lange und bis zu 5 cm breite Risse aufwies. Hier befanden sich zwei vermauerte, mit Rundbögen überdeckte ehemalige Öffnungen, welche in nordwestlicher Richtung einen Schub ausübten. Die den letzteren verursachende Belastung mag vergrößert worden sein durch die Erhöhung des Turmes in der gotischen Zeit, durch Glockengeläute und Winddruck. Obschon die offenbar schon alten Risse keine augenblickliche Gefahr mit sich brachten, war dringend nötig, weiteren Bewegungen Einhalt zu tun.
Es wurde daher eine doppelte eiserne Verschlauderung hergestellt, die das ausgewichene Turmeck umfaßte und im Innern die östliche und südliche Turmwand als Rückhalt benutzte.
Unterdessen war der sehr ruinöse Magistratschor (Abb. [40], [41]) bis auf den Grund abgetragen worden und wurde ganz neu wieder hergestellt mit neuen Fenstermaßwerken — die alten fehlten vollständig — und einer nach gegebenen Anhaltspunkten erneuerten Galerie.