Die Hauptpläne der Restaurierung überwies Professor von Hauberrisser dem städtischen Archiv. Die große Zahl der gefertigten Detail- und Werkpläne sind jedoch gleichfalls der Sammlung einverleibt. Diese selbst ist an zwei getrennten Orten untergebracht: zum Teil in der Westchorkrypta (Abb. [139]), zum anderen Teil im Obergeschoß der nördlichen Sakristei.

Von den Mitgliedern des Bauauschusses war im Laufe der Jahre Magistratsrat Tauber gestorben und Fabrikbesitzer von Forster und Ingenieur Rupprecht wegen Wohnungswechsels ausgetreten. Die Lücken wurden ergänzt durch Kommerzienrat Liebel, an dessen Stelle später Magistratsrat Häberlein trat, ferner durch Großhändler und kgl. Handelsrichter Heerdegen und Fabrikbesitzer Thäter.

In der Vorstandschaft der Kirchenverwaltung war Stadtpfarrer und Dekan Heller durch Stadtpfarrer Lotholz abgelöst worden. Seit dessen Erkrankung führt Stadtpfarrer Schiller den Vorsitz.

Stadtpfarrer Lotholz ist unterdessen gestorben, Kirchenrat Heller [† 1907] steht heute der Restaurierung der Schwesterkirche St. Lorenz vor.

Für die Beschaffung der Mittel, welche abgesehen von drei Lotterien aus den namhaften Unterstützungen seitens deutscher Fürsten, dann der Stadt und vieler kunstsinniger Familien und anderer Personen flossen, war der Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche tätig, in dessen Vorstandschaft Justizrat Freiherr von Kreß, Justizrat Vollhardt und Kommerzienrat Schwanhäußer die Verwaltung führten unter dem Vorsitze des Kirchenrates Michahelles, des eifrigsten Freundes und Förderers des ganzen Wiederherstellungswerkes.

Nürnberg, den 31. Dezember 1904.Prof. J. Schmitz, Architekt.

4. Bericht der Bauleitung über die Instandsetzung des Innern. 1903–1906.

Bei einem Besuche der Sebalduskirche wird sogleich die Verschiedenartigkeit der baulichen Anlage ins Auge fallen. Denn die noch bestehenden Teile der engen romanischen Basilika bilden einen großen Gegensatz zum weiten gotischen Hallenchor: es mangelt daher die Einheitlichkeit der Raumwirkung. Auch in der formalen Detailausbildung kommt jede der beiden Hauptbauperioden charakteristisch zur Erscheinung, doch verleiht dies der Kirche neben dem kunstgeschichtlichen Interesse einen außerordentlichen malerischen Reiz. Erhöht wurde dieser noch durch die Fülle von wertvollen Kunstwerken, mit denen die folgenden Jahrhunderte die Kirche schmückten.

Schon die Gotik hat ein Dekorationsmotiv ihrer Art in den romanischen Bau hineingetragen, indem sie, abgesehen von anderem statuarischem Schmuck, an den Pfeilern des Mittelschiffes unter Baldachinen zwölf Apostelstatuen anbrachte. Daneben wurde, wie sich im Laufe der Restauration erwiesen hat, in jener Zeit fast die ganze Kirche an Wänden und Gewölben mit einer einheitlichen Polychromie versehen, die an verschiedenen Stellen durch figürliche Darstellungen eine Steigerung erfuhr.