Abb. 43. Löffelholzaltar.

Zur Ausführung solcher eigenartiger Arbeiten waren geeignete Kräfte in Nürnberg nicht vorhanden. Es wurde daher der als trefflicher Meister in seinem Fach bekannte Vergolder und Faßmaler Franz Ruedorfer, beziehungsweise die Firma Barth & Cie. in München, welcher er angehört, mit diesen Arbeiten betraut. Ruedorfer, der wiederholt selbst anwesend war, sandte eine Anzahl Gehilfen, die seine Schule genossen hatten und die sich, teils in Bemalung, teils in Modellieren, Formen und Gießen geschickt, im Laufe der ganzen Restaurierung als willige Hülfskräfte erwiesen.

Die Abschabung der Tünche und die an einzelnen Stellen erforderliche Wegnahme des Verputzes hatte aber außer der Feststellung der alten Bemalung leider eine im höchsten Grade bedauerliche Entdeckung zur Folge. Es zeigten sich nämlich bauliche, den Kern des Mauerwerkes betreffende Schäden, welche von niemand bei der Inangriffnahme der Restaurierung erwartet worden waren. Zunächst war dies beim nördlichen Turm der Fall. Da, wo an der Ostseite des Turmes die später hinausgerückte Außenwand des nördlichen Seitenschiffes früher angebaut war, trat das innere Brockenmauerwerk ohne schützende Quaderverblendung zutage. Die romanischen Mauern bestehen an St. Sebald durchweg aus einer beiderseitigen Quaderverblendung; deren innerer Zwischenraum mit zum Teil sehr mangelhaftem Brockenmauerwerk ausgefüllt ist. Es zeigte sich ferner in dieser Ostmauer des Turmes oberhalb des Spitzbogens der vermauerte Zugang zu einem Treppenhause, welches sich in seiner ungefähren Lage aus dem Vorhandensein eines kleinen Fensters und eigenartiger vermauerter Öffnungen im linken Gaden des Turmes annähernd bestimmen ließ. Da dieses Treppenhaus innerhalb der Mauer lag, so war diese infolge des mangelnden Verbandes selbst bei einer nachträglichen Ausmauerung geschwächt und hatte der Belastung nicht standhalten können. Daher waren zahlreiche bis zu 12 cm breit klaffende Risse entstanden. Schleuniges Eingreifen tat not, war aber um so schwieriger, als vorerst keine sichere Kenntnis darüber bestand, ob das Treppenhaus ausgemauert oder noch hohl war. Einbrüche vorzunehmen, um hierüber Auskunft zu erhalten, erschien wegen der damit verbundenen Gefahr unmöglich. So konnte nur mit vorsichtigen Bohrungen und mit in diese eingeführter künstlicher Beleuchtung des 1·50 m starken Mauerinnern festgestellt werden, daß der Treppenraum mit schlechtem Brockenmauerwerk teils ausgemauert, teils nur zugeschüttet worden war. Bei den vorhandenen außerordentlich großen Belastungen ein wenig tröstliches Ergebnis.

Der Arbeitsplan wurde nun, wie folgt, entworfen. Zunächst war der Spitzbogen zwischen Turm und Seitenschiff mit starken Rundholzstämmen auszubolzen und darüber eine eiserne Verschlauderung anzubringen, sodann wurde in die nur mangelhaft zusammenhängende Turmmauer eine Öffnung von der Größe weniger Backsteine eingebrochen und mit harten Backsteinen in Zementmörtel wieder vermauert. Durch Wiederholung dieser Arbeit gelang es, einen horizontalen, etwa 50 cm hohen Streifen von Backsteinmauerwerk einzubringen, der innerhalb der Mauer etwa wie ein eingesetzter fester Balken wirken mußte. Solche Streifen wurden in Abständen von 50 cm sechs untereinander eingebracht, und sodann die noch bestehenden Zwischenteile durch Quadermauerwerk — natürlich kam jedesmal nur ein Quader zur Vermauerung — ausgewechselt. Hernach gelang es durch vorsichtige Einbrüche in das Treppenhaus selbst auch hier den größten Teil des schlechten Mauerwerkes nach und nach durch gutes tragfähiges Zementmauerwerk zu ersetzen.

Auch in der südlichen Wand des nördlichen Turmes zeigten sich in der Höhe des Engelchores verschiedene Treppenläufe innerhalb der Mauer, welche nicht vermauert, sondern vollständig hohl waren. Daneben fanden sich andere, vielleicht zur Aufnahme von Holzbalken bestimmte verborgene Höhlungen, welche den Querschnitt der Mauern verringerten. Es erwies sich somit, daß die romanischen Türme viele Treppenaufgänge innerhalb der Mauer besaßen, und daß man beim Aufbau des 75 m hohen nördlichen Turmes in der gotischen Zeit auf die durch die Hohlräume geschwächten Mauern unbedenklich weiter gebaut hatte. Den infolgedessen aufgetretenen Verschiebungen des Mauerwerkes war zum Teil schon bei der Außenrestaurierung durch starke Verschlauderungen entgegengearbeitet worden, ohne daß damals jedoch die Ursache schon in ihrem ganzen Umfang bekannt gewesen wäre.

Beim südlichen Turm haben die angestellten Untersuchungen eine beim gotischen Aufbau vorgenommene Verbesserung des romanischen Unterbaues ergeben.

So bedauerlich es nun im archäologischen Interesse auch war, so mußte doch der bestehenden Schäden wegen eine Einmauerung von Pfeilern und teilweise eine ganze Ausmauerung bei den hohlen Treppenräumen ausgeführt werden. Übrigens hat in jedem Falle eine genaue geometrische und, wo dies möglich war, auch photographische Aufnahme des Befundes stattgefunden.