Beim Schrein des Petrusaltares (Abb. [53], [54]) waren sowohl die Skulpturen innerhalb des Schreines und die Predella wie auch die nach Augsburg zur Restauration gesendeten zwölf schönen Flügelbilder mit brauner Ölfarbe gleichmäßig überstrichen. Beim Abnehmen der letzteren kam an den Skulpturen die Polychromie in guter Erhaltung zum Vorschein, so daß z. B. das Glanzgold nur ganz weniger Ausbesserungen bedurfte. Die Mitra, die von zwei Engeln getragen wurde, fehlt. Leider fanden sich auch die sicherlich mit wertvollen Malereien geschmückten Predellatüren nicht mehr vor.

Im Herbst 1905 wurde auch die nördliche Sakristei instand gesetzt. Unter der Tünche zeigte sich bald die alte Polychromie, welche aufgefrischt wurde. Leider hat die Sakristei, die mit ihrem durch eine durchbrochene Treppe zugänglichen Obergeschoß und dem Kaiserchörlein eine eigenartige reizvolle Bauanlage bildet, früher viele störende Umänderungen erfahren. Die Öffnungen der Treppenwand waren wegen baulicher Mängel vermauert und hätten ohne anderweitige Stützkonstruktionen nicht geöffnet werden können. Eine Tür führt jetzt von der Straße in den ehemals abgeschlossenen intimen Raum. Die Piscina, früher von der Sakristei und vom Chor aus benutzbar, ist mit ihrem Abzugsgraben noch vorhanden, dient aber jetzt, zum Teil vermauert, als Nische für einen Gasofen. Die alte ehemalige Ofennische wurde an der Ostwand entdeckt und als Bücherschrank verwendet.

Abb. 50. Sakramentshäuschen im Ostchor.

An Stelle der kleinen alten Fenster fanden sich auf der Nordseite große Fenster vor; eine weitere in die östliche Altarnische gebrochene Fensteröffnung nimmt jener alle Stimmung. Andererseits aber hatte die Sakristei zu diesen Änderungen durch ihre Feuchtigkeit und dumpfe Luft Veranlassung gegeben. Rekonstruktionen waren also nicht veranlaßt und die neueren Arbeiten beschränkten sich daher, abgesehen von einigen nötigen Auswechslungen am Mauerwerk und dem Verdichten vieler offener Lagerfugen, auf die Herstellung einer Vertäfelung und eine Verbesserung der Ofenanlage.

Im Chor fanden sich die Stühle Hans Tuchers, Sebald Schreyers und mehrere andere alte Stühle, welche noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts vorhanden waren, leider nicht mehr vor. Die alten Handwerkerstühle (Abb. [125]) erfuhren ebenso wie die Tucherschen Renaissancestühle eine gründliche Reparatur, wobei die an den letzteren angebrachten zwei kleinen Schnitzereien, St. Sebald vom ehemaligen Schreyer-Stuhl (Abbildung auf dem Titelblatt) und ein Wappen vom Grundherrnstuhl, abgenommen und neben den Hauptaltar versetzt wurden. Heideloffsche Seitenwangen an verschiedenen alten Stühlen wurden entfernt und durch einfache, möglichst indifferente Formen ersetzt.

Besonders schwierig gestalteten sich die Arbeiten an den gotischen Chorstühlen (Abb. [121], [122], [123]), die sehr reich geschnitzt waren und jetzt noch Reste von außerordentlich wertvoller figürlicher Plastik aufweisen. Kein Mobiliargegenstand hatte sich aber, von einzelnen Statuen abgesehen, in einem so zertrümmerten, zusammengeflickten und wieder vernachlässigten Zustand gefunden wie diese Stühle. Zunächst mußten die Originalteile festgestellt werden, dann wurde eine Instandsetzung vorgenommen, bei der die fehlenden Teile in ihren Hauptformen in Eichenholz ergänzt, aber nicht im Detail ausgeschnitzt wurden. Es sollte sich die Restaurierung innerhalb des wiedergewonnenen, würdigen allgemeinen Eindruckes vom alten Original absondern, so daß besonders bei den Figuren keinerlei Vermischung mit neueren Zutaten auftrat.

Das Sebaldusgrab wurde, abgesehen von einigen kleinen Ausbesserungen (Ergänzung von fehlenden silbernen Rosetten), einer sorgfältigen Reinigung unterzogen.