Die beiden barocken Seitenaltäre wurden gründlich instandgesetzt und ausgebessert, wobei auch die Malereien auf der Rückseite wieder zur Geltung kamen. War doch sogar das Lorbeerlaub aus Zinn an den Säulen des Tucheraltares (Abb. [51]) in früheren Zeiten in Verlust geraten.
Die in der Augsburger Galerie stattgehabte Restaurierung der wertvollen Tafelbilder, welche im Mai 1906 wieder an ihrem alten Platze aufgestellt werden konnten, war vom schönsten Erfolge begleitet. Außer einer sachverständigen Reinigung hat durch die berufene Hand des Konservators Mayer eine Abnahme vieler störender Übermalungen zum Teil in ziemlichem Umfange stattgefunden, so daß die ursprüngliche Farbenwirkung in überraschender Weise wieder zur Geltung gelangt ist (Taf. [XV]).
Eine der hauptsächlichsten Arbeiten im Ostchor wurde zu Anfang des Jahres 1906 begonnen: der Umbau der Hauptorgel.
Die bisherige Hauptorgel von St. Sebald (Abb. [126]) ist eine der ältesten und wohl auch interessantesten Bayerns. Sie wurde im Jahre 1444 von Heinrich Traxdorf erbaut und war im Ostchor über dem Trennungsbogen gegen das südliche Seitenschiff angebracht. Sie bestand außer aus einem Podium, welches auf einem hölzernen vorgekragten Gewölbe ruhte und in der Mitte einen kleinen Pfeifenprospekt (sogenanntes Positiv) trug, aus dem eigentlichen Orgelwerk, das fast die ganze Giebelwand bedeckte und von einem zierlichen Gehäuse umschlossen war. Der Blasebalgraum befindet sich hinter der Giebelmauer. Die Verbindung zwischen diesem Raume und dem Orgelpodium bildet eine schmale Tür in der Giebelwand. Vermutlich hatte die alte Orgel schon bemalte Flügel, die zum Schutze der Pfeifen dienten und geöffnet werden konnten. Die Konsole, welche die mittlere Endigung des Holzgewölbes unterhalb der Orgel bildet, hat die Form einer Teufelsfratze mit beweglichem Kiefer, der während des Orgelspieles in Bewegung gesetzt werden konnte. Die beiden seitlichen Konsolen zeigen ein dänisches und ein französisches Wappen, die wiederholt in Verbindung mit dem Kirchenpatron in St. Sebald angewendet worden sind. Rings um das Orgelpodium fanden sich zwischen den herabhängenden Maßwerken reizvolle in Holz geschnitzte Figuren, darunter zwei Herolde mit den beiden Nürnberger Wappen. Die übrigen stellen Ritter, Frauen und Bauern dar und sind zum Teil sehr humorvoll gehalten. Die ganze Orgel ist aus Eichenholz hergestellt. Zu beiden Seiten waren auf der Wand teppichartig großzügige Ornamente in grünem Ton aufgemalt und innerhalb derselben musizierende Engel dargestellt.
Im Laufe der Jahrhunderte hat die Orgel freilich mannigfache Veränderungen erfahren und zwar in den Jahren 1572, 1658, 1691 und 1827. Im Jahre 1658 erhielt sie neue Malereien von Daniel Preißler auf den wohl schon vorhandenen Flügeln, und zwar eine Reihe Porträts der Pfarrer und Kirchenpfleger, aber auch von Stadtmusikern und ihren Dirigenten. Die gesteigerten musikalischen Ansprüche hatten wiederholt Verbesserungen und Erweiterungen des Orgelwerkes zur Folge, so daß allmählich auch das Gehäuse eingreifenden Veränderungen unterworfen worden war, wodurch die ursprüngliche Form desselben sehr beeinträchtigt wurde. Unter Heideloff wurde das Podium nach vorn sowohl wie nach beiden Seiten bedeutend erweitert, um für einen größeren Sängerchor Platz zu gewinnen. Die schönen Wandmalereien waren übertüncht und durch Balkenwerk verbaut worden.
Abb. 51. Partie aus dem Ostchor mit Tucheraltar, Sakramentshäuschen und Petrusaltar.
Beim Abbruch der Orgel ergab sich glücklicherweise aus der genauen Aufnahme und dem Vergleich der einzelnen Teile die Möglichkeit, das ursprüngliche Orgelgehäuse von 1444 mit völliger Sicherheit wieder herzustellen. Daß aber das vielfach ausgebesserte Orgelwerk den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, erscheint begreiflich. Die Kirchenverwaltung entschied sich daher für Beschaffung eines neuen Orgelwerkes und billigte auf Grund eines Gutachtens von Hauptprediger Dr. Geyer den Vorschlag des Unterzeichneten, das alte Gehäuse, von allen späteren Zutaten befreit, zu verwenden und in Verbindung mit den Wandmalereien wieder vollständig instandzusetzen. Die Aufgabe, 26 neue Register in dem engen Raum unterzubringen, war nicht leicht, und ein Hinausschieben des ganzen Gehäuses um 15 cm zur Erlangung einer größeren Tiefe konnte nicht umgangen werden. Das Orgelwerk selbst wurde durch Orgelbaumeister Strebel gebaut, während sämtliche Instandsetzungsarbeiten des Gehäuses und das neue Positiv mit den seitlichen Brüstungen in der Werkstätte der Bauhütte hergestellt wurden.
Auch die Wandmalereien zu beiden Seiten der Orgel, die in überraschender Weise zum Vorschein gekommen waren, erfuhren wieder eine Erneuerung.